
Originale Antikmünzen kaufen: Denar, Follis, Tremissis und Dirhem richtig einordnen
Ein Silberdenar der Kaiserin Julia Domna, ein Bronzefollis Konstantins des Großen oder ein winziger Goldtremissis aus Byzanz sind weit über tausend Jahre alt und kosten oft weniger, als viele Sammler vermuten. Das liegt am Metall, das kaum ins Gewicht fällt – ein Denar bringt keine drei Gramm Silber auf die Waage. Über den Preis entscheiden stattdessen der Zustand, die sichere Zuordnung zu Herrscher und Prägeort sowie ein nachvollziehbarer Herkunftsweg. Wer antike Münzen kauft, bewegt sich damit in einer anderen Welt als beim Kauf gängiger Anlagemünzen.
Warum antike Münzen anders bewertet werden als Anlagegold
Bei einer Anlagemünze ist die Rechnung überschaubar. Man nimmt das Feingewicht, multipliziert es mit dem aktuellen Metallpreis und addiert einen Aufschlag für Prägung, Vertrieb und Händlermarge. Der Markt ist transparent, jeder kann den Preis nachvollziehen. Bei einer antiken Münze greift diese Logik nicht. Ein römischer Denar enthält je nach Prägezeit etwa anderthalb bis dreieinhalb Gramm Silber, sein reiner Materialwert liegt damit im Bereich von wenigen Euro. Ein byzantinischer Tremissis kommt auf rund eineinhalb Gramm Gold. Verkauft werden solche Stücke regelmäßig zu einem Vielfachen dieses Werts.
Diese Differenz ist kein Aufgeld, sondern das, was Sammler den numismatischen Wert nennen. Er entsteht aus mehreren Faktoren, die in keiner Kurstabelle stehen. Entscheidend ist zunächst der Zustand, also die Schärfe des Reliefs, die Zentrierung des Bildes auf dem Metallstück und die Oberfläche mit ihrer über Jahrhunderte gewachsenen Patina. Hinzu kommt die Zuordnung, denn erst wenn Herrscher, Prägeort und ungefähres Prägejahr bekannt sind, wird aus einem alten Metallstück ein bestimmbares Sammlerstück. Wie häufig ein Typ überhaupt geprägt wurde, spielt ebenso eine Rolle wie die Frage, ob die Herkunft dokumentiert ist. Und schließlich zählt die Bekanntheit des Namens auf der Münze. Konstantin und Justinian sind gefragter als kurzlebige Gegenkaiser, die außerhalb der Fachliteratur kaum jemand kennt.
Praktisch bedeutet das: Sie kaufen ein Einzelstück, kein Standardprodukt. Zwei Denare desselben Kaisers und desselben Typs können sich im Preis um das Fünffache unterscheiden, weil das eine Exemplar scharf und mittig ausgeprägt ist, während das andere schief sitzt, angegriffen ist oder nachträglich bearbeitet wurde. Wer beide Welten verbinden möchte, findet die Einordnung dazu im Beitrag zur griechischen Tetradrachme zwischen Anlage und Sammlung.
Ein Blick auf den Silberpreis hilft bei der Bewertung eines Denars deshalb nicht weiter. Er zeigt aber recht gut, wie klein der Materialanteil an einer antiken Silbermünze tatsächlich ausfällt.
Der Denar und die lange Entwertung des römischen Silbers
Der Denar entstand während des Zweiten Punischen Krieges um 211 vor Christus und blieb über Jahrhunderte die wichtigste Silbermünze Roms. Anfangs wog er rund viereinhalb Gramm und bestand aus nahezu reinem Silber. Unter Nero sanken Gewicht und Silberanteil erstmals deutlich, und der Weg führte von da an nur in eine Richtung. Von Kaiser zu Kaiser wurde weniger Silber verarbeitet, bis im dritten Jahrhundert im Grunde nur noch eine versilberte Kupfermünze übrig war. Für Sammler ist der Denar damit auch ein Anschauungsstück für die erste gut belegte Geldentwertung der Geschichte.
Wie ein solches Stück im Alltag aussah, zeigen die Prägungen der Julia Domna. Sie stammte aus dem heutigen Syrien, war die Frau des Kaisers Septimius Severus und die Mutter von Caracalla und Geta. Ihre Denare entstanden über Jahrzehnte in großer Zahl und zeigen auf der Vorderseite ihr Bildnis mit der auffälligen Frisur, auf der Rückseite meist eine Göttin wie Venus, Juno oder Vesta. Weil so viele Exemplare geprägt wurden, sind ordentlich erhaltene Stücke noch heute für einen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Betrag zu haben. Der Silberdenar der Julia Domna gehört damit zu den klassischen Einstiegsstücken.
Ein halbes Jahrhundert später hatte sich das Bild gewandelt. Gallienus regierte ab 260 allein, in einer Zeit voller Aufstände, Grenzkriege und steigender Preise. Seine Silbermünzen enthalten nur noch wenige Prozent Silber, sind dünn und flach ausgeprägt und wirken bräunlich, weil die dünne Silberschicht längst abgerieben ist. Achten Sie hier auf die Bezeichnung des Nominals, denn in dieser Epoche prägte man vor allem den Antoninian, während der klassische Denar kaum noch entstand. Der Silberdenar des Gallienus steht beispielhaft für diese Umbruchzeit.
Follis, Tremissis, Dirhem und Cash-Münze im Vergleich
Neben dem Denar begegnen Ihnen im Handel vier weitere Gruppen, die sich in Metall, Größe und Herstellung deutlich unterscheiden. Die folgenden Angaben sind Richtwerte, denn Gewicht und Durchmesser schwanken innerhalb einer Serie erheblich.
| Typ | Metall | Zeit | Gewicht | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|---|---|
| Denar | Silber, später Kupferlegierung | 211 v. Chr. bis 3. Jh. n. Chr. | Ca. 2 bis 4 g | Kaiserbildnis mit lateinischer Umschrift |
| Follis | Bronze mit dünner Silberschicht | Ab 294 n. Chr. | Ca. 2 bis 10 g | Kürzel der Prägestätte am unteren Rand |
| Tremissis | Gold | Ab dem späten 4. Jh. | Ca. 1,5 g | Sehr dünnes, kleines Goldstück |
| Dirhem | Silber | 7. bis 10. Jh. | Ca. 2,9 g | Reine Schriftmünze ohne Bildnis |
| Cash-Münze | Bronze, gegossen | Ab 621 n. Chr. | Ca. 3 bis 4 g | Rund mit quadratischem Loch |
Der Follis kam mit der Münzreform Diokletians um 294 nach Christus auf. Anfangs wog diese große Bronzemünze etwa zehn Gramm und trug eine dünne Silberschicht, die ihr im Neuzustand einen hellen Glanz gab. Im Laufe des vierten Jahrhunderts wurde sie mehrfach verkleinert, späte Exemplare sind kaum größer als ein Fingernagel. Für die Zuordnung entscheidend ist das Kürzel der Prägestätte im unteren Bereich der Rückseite. Zeichen wie TR für Trier oder CONS für Konstantinopel verraten, wo das Stück entstand. Der Follis Konstantins I. fällt in eine Zeit, in der sich das Reich religiös und geografisch neu ordnete, mit der Duldung des Christentums und der Gründung Konstantinopels im Jahr 330. Der Follis Constantins II. stammt aus der kurzen Regierungszeit eines seiner Söhne, der 337 zum Kaiser wurde und schon 340 im Streit mit dem Bruder fiel.
Um 310 führte Konstantin den Solidus mit etwa viereinhalb Gramm Feingold ein, eine Goldmünze, die über Jahrhunderte stabil blieb und dem oströmischen Reich als Leitwährung diente. Der Tremissis ist dessen Drittelstück und wurde ab dem späten vierten Jahrhundert geprägt. Er ist klein, sehr dünn und zeigt meist ein Herrscherbildnis auf der Vorderseite sowie eine Siegesgöttin oder ein Kreuz auf der Rückseite. Justinian I. regierte von 527 bis 565, ließ die Hagia Sophia errichten und das römische Recht ordnen. Ein Goldtremissis Justinians I. gehört damit zu den geschichtlich am dichtesten aufgeladenen kleinen Goldmünzen überhaupt. Wer größere byzantinische Goldstücke sucht, findet in der Kategorie Weitere Goldmünzen gelegentlich auch Solidi späterer Kaiser.
Einen völlig anderen Weg gingen die islamischen Prägungen. Nach der Münzreform des Kalifen Abd al-Malik gegen Ende des siebten Jahrhunderts verzichteten sie auf Herrscherbilder. Der Dirhem der Abbasiden ist eine reine Schriftmünze mit Glaubensformeln in kunstvoller Kalligrafie auf beiden Seiten, umgeben von einer Randschrift, die Prägeort und Prägejahr nennt. Für Sammler ist das ein Vorteil, weil solche Stücke oft auf das Jahr genau bestimmbar sind, sofern die Randschrift lesbar geblieben ist. Erstaunlich ist ihre Reichweite. Abbasidische Dirhems gelangten über die Handelswege der Wikingerzeit bis in den Ostseeraum und finden sich heute in skandinavischen Silberfunden. Der Silberdirhem der Abbasiden ist damit ein Zeugnis für einen Fernhandel, der Bagdad mit Nordeuropa verband.
Chinesische Münzen wurden nicht geprägt, sondern in Formen gegossen. Sie sind rund und haben ein quadratisches Loch in der Mitte, damit man sie auf Schnüre ziehen konnte. Der ab 621 eingeführte Typ blieb über Jahrhunderte in Produktion, weshalb sich einzelne Stücke meist nicht genau datieren lassen. Zeitangaben wie 618 bis 907 beziehen sich auf die Tang-Dynastie insgesamt. Die Bronze-Cash-Münze aus der Tang-Zeit ist auch ein gutes Lehrstück. Was bei einer römischen Münze auf eine Fälschung hindeuten würde - Gussnähte und eine leicht poröse Oberfläche -, ist hier ganz normal.
Woran Sie Zustand und Echtheit erkennen
Für den Zustand nutzt der Handel dieselben Stufen wie bei neueren Münzen, von schön über sehr schön bis vorzüglich. Bei antiken Stücken reicht diese Skala allein nicht aus, weil sie von Hand geprägt wurden. Wichtig ist zusätzlich, ob die Umschrift vollständig auf dem Metallstück sitzt oder am Rand abgeschnitten ist. Auch eine kaum gelaufene Münze kann flach wirken, wenn der Prägestempel schon abgenutzt war. Risse und kleine Ausbrüche am Rand sind bei Antiken normal, größere Fehlstellen drücken den Preis. Nachträgliche Eingriffe wie eingravierte Details oder geglättete Flächen mindern den Wert deutlich und gehören in jede Beschreibung. Eine belastbare Beschreibung nennt außerdem Herrscher, Nominal, Prägestätte, ungefähre Prägezeit und die Nummer, unter der der Typ in der Fachliteratur geführt wird. Fehlt diese Angabe, ist das kein Beweis für ein Problem, aber ein guter Anlass zum Nachfragen.
Nachgeahmt werden antike Münzen seit der Renaissance, und manche moderne Fälschung ist erstaunlich gut gemacht. Die meisten scheitern jedoch an einfachen Merkmalen, die Sie selbst prüfen können:
- Gewicht und Durchmesser: Weicht ein Stück mehr als etwa zehn Prozent von den Richtwerten seines Typs ab, ist Vorsicht geboten.
- Gussspuren: Römische und byzantinische Münzen wurden geprägt. Feine Nähte am Rand, kleine Blasen in der Fläche oder eine gleichmäßig körnige Oberfläche sprechen für eine gegossene Kopie.
- Ränder: Geprägte Stücke haben unregelmäßige, leicht gewölbte Ränder, gegossene Kopien wirken glatt und rundgefeilt.
- Patina: Gewachsene Patina sitzt fest und folgt dem Relief. Künstliche Färbungen liegen gleichmäßig auf und lassen sich leicht abreiben.
- Magnet: Silber, Gold und Bronze sind nicht magnetisch. Reagiert ein Stück auf einen Magneten, ist es kein Original.
Einen Sonderfall bilden Münzen mit Kupferkern und dünner Silberhaut, die schon in der Antike als Fälschung in Umlauf kamen. Sie sind tatsächlich alt, aber deutlich weniger wert als reguläre Prägungen und müssen als solche benannt werden. Seriöse Händler prüfen ihre Antikmünzen technisch, halten die Ergebnisse fest und beschreiben Auffälligkeiten offen. Fragen Sie im Zweifel nach, welche Schritte durchlaufen wurden. Eine klare Antwort darauf ist ein gutes Zeichen.
Herkunft und Kulturgutschutz
Der zweite große Unterschied zum Kauf von Anlagemünzen ist rechtlicher Natur. Antike Münzen gelten als Kulturgut, und dafür gibt es eigene Regeln, sowohl bei der Einfuhr in die Europäische Union als auch beim Handel innerhalb Deutschlands. Für Käufer ist das kein Grund zur Sorge, wohl aber ein Grund, auf ordentliche Unterlagen zu bestehen.
Seit dem 28. Juni 2025 wendet die EU die Einfuhrverfahren einer eigenen Kulturgutverordnung an. Wer archäologische Gegenstände aus einem Land außerhalb der EU einführt, braucht dafür eine Genehmigung. Für Münzen gilt eine mildere Stufe. Bei einem Alter von mehr als 200 Jahren und einem Wert oberhalb einer festgelegten Schwelle genügt eine Erklärung des Einführers. Abgewickelt wird beides über ein elektronisches System der EU-Kommission, zuständige Stelle in Deutschland ist die Kunstverwaltung des Bundes. Diese Pflichten treffen allerdings den Einführer und nicht den Endkunden, der eine Münze bei einem Händler innerhalb der EU kauft.
Im Inland greift das Kulturgutschutzgesetz. Es untersagt den Handel mit gestohlenem, rechtswidrig ausgegrabenem oder unrechtmäßig eingeführtem Kulturgut und verpflichtet gewerbliche Händler dazu, die Herkunft ihrer Ware zu prüfen und die Prüfung zu dokumentieren. Für gängige Münztypen gilt dabei eine Ausnahme, denn Münzen, die es in großer Stückzahl gibt und die für die Forschung keinen besonderen Erkenntniswert haben, zählen nicht als archäologisches Kulturgut. Für Sie als Käufer heißt das vor allem eines: Bewahren Sie Rechnung, Beschreibung und Fotos auf. Diese Unterlagen sind der Anfang Ihrer eigenen Herkunftskette und beim späteren Verkauf bares Geld wert.
Fragen, die Sie vor dem Kauf klären sollten
- Liegt eine schriftliche Beschreibung mit Typ, Metall, Gewicht und möglichst Katalognummer vor?
- Gibt es eine Rechnung mit Angaben zum Verkäufer und zur Echtheit?
- Wird ein Vorbesitzer, eine Sammlung oder eine Auktion genannt?
- Sind Nacharbeiten wie Glätten oder Gravieren ausgewiesen?
- Bleibt der Händler bei Rückfragen zur Herkunft auskunftsfähig?
Steuern, Aufbewahrung und Weiterverkauf
Antike Goldmünzen sind steuerlich keine Anlagegoldmünzen, weil dafür unter anderem eine Prägung nach dem Jahr 1800 verlangt wird. Sie gelten als Sammlungsstücke. Der ermäßigte Steuersatz, den das Umsatzsteuerrecht für solche Stücke vorsieht, greift seit 2014 nur noch bei der Einfuhr aus einem Land außerhalb der EU. Lieferungen innerhalb Deutschlands unterliegen dem regulären Satz. Beim Handel mit gebrauchten Sammlungsstücken kommt häufig die sogenannte Differenzbesteuerung zum Zug, bei der nur die Handelsspanne besteuert wird und die Steuer auf der Rechnung nicht getrennt ausgewiesen ist. Welches Verfahren angewendet wurde, können Sie Ihrer Rechnung entnehmen.
Hinweis: Dieser Abschnitt gibt nur eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine steuerliche Beratung. Wie ein Kauf oder ein späterer Verkauf in Ihrem Fall zu behandeln ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Fragen Sie dazu Ihren Steuerberater.
Bei der Aufbewahrung gilt eine Regel, gegen die Einsteiger besonders oft verstoßen: Reinigen Sie antike Münzen nicht. Die gewachsene Patina gehört zur Substanz, ihr Verlust ist ein dauerhafter Schaden. Sinnvoll sind weichmacherfreie Kapseln oder Kartontableaus mit Baumwolleinlage, ein trockener und gleichmäßig temperierter Ort sowie das Anfassen nur am Rand. Legen Sie zu jedem Stück eine Karte mit Kaufdatum, Preis, Beschreibung und Foto an und verwahren Sie die Kaufunterlagen getrennt von den Münzen. Beim Weiterverkauf zahlt sich diese Mühe aus, denn ein gut beschriebenes Stück mit Rechnung und Fotos lässt sich erheblich leichter platzieren als eine Münze ohne jede Angabe. Einen börsentäglichen Rücknahmepreis wie bei Anlagemünzen gibt es hier allerdings nicht. Der Markt ist enger – dafür hängt er kaum am Metallpreis.
Wie ein Einstieg sinnvoll aussieht
Wer vom Kauf von Anlagemünzen kommt, denkt in Unzen. Bei Antiken lohnt sich ein anderer Zugang, nämlich ein Thema statt einer Metallmenge. Bewährt hat sich etwa eine Reihe von Herrschern einer Dynastie, ein Nebeneinander verschiedener Nominale von Denar über Follis bis zum Tremissis, ein Vergleich der Kulturen desselben Jahrhunderts von Rom über Bagdad bis China oder eine Sammlung rund um ein wiederkehrendes Rückseitenmotiv. Preislich beginnen gut bestimmbare Bronzemünzen im unteren zweistelligen Bereich, römische Silberdenare liegen häufig im mittleren zweistelligen bis unteren dreistelligen Bereich, kleine byzantinische Goldmünzen im mittleren bis oberen dreistelligen. Sinnvoller als ein Posten unbekannter Herkunft ist ein einzelnes, sauber dokumentiertes Stück. Einen Überblick über die verfügbaren historischen Prägungen bieten die Kategorien Weitere Silbermünzen und Goldmünzen.
Häufige Fragen zu antiken Münzen
Sind antike Münzen eine Alternative zu Anlagegold?
Nein, sie folgen einer anderen Logik. Bei Anlagegold bestimmt der Metallpreis den Wert, bei Antiken sind Zustand, Zuordnung und Herkunft ausschlaggebend. Antike Münzen sind Sammlungsstücke mit engerem Markt und individueller Preisbildung. Wer eine Sammlung aufbaut, sollte sie als eigenen Bereich neben der Anlageseite betrachten und nicht als deren Ersatz.
Wie erkenne ich, ob ein Denar echt ist?
Prüfen Sie zuerst Gewicht und Durchmesser anhand der Richtwerte für den Typ, dann den Rand auf Gussnähte und die Oberfläche auf kleine Poren. Echte geprägte Stücke zeigen eine fest sitzende Patina, die dem Relief folgt. Ein Magnet schließt eisenhaltige Kopien aus. Im Zweifel hilft der Vergleich mit dokumentierten Exemplaren desselben Typs in öffentlichen Auktionsarchiven oder ein Gutachten.
Darf ich antike Münzen in Deutschland legal kaufen und besitzen?
Ja, sofern die Stücke rechtmäßig in den Handel gelangt sind. Verboten ist der Handel mit gestohlenem, rechtswidrig ausgegrabenem oder unrechtmäßig eingeführtem Kulturgut. Kaufen Sie bei einem gewerblichen Händler innerhalb der EU, liegt die Prüfpflicht in erster Linie beim Händler. Bewahren Sie Rechnung und Beschreibung dennoch dauerhaft auf.
Was hat sich 2025 bei der Einfuhr geändert?
Seit dem 28. Juni 2025 wendet die EU die Einfuhrverfahren ihrer Kulturgutverordnung an. Archäologische Gegenstände aus Ländern außerhalb der EU brauchen eine Einfuhrgenehmigung, für Münzen genügt oberhalb bestimmter Alters- und Wertgrenzen eine Erklärung des Einführers. Beides läuft über ein elektronisches System der EU-Kommission. Betroffen sind Importeure, nicht Käufer innerhalb der EU.
Warum kostet ein Tremissis ein Vielfaches seines Goldwerts?
Weil das Gold nur einen kleinen Teil des Preises ausmacht. Ein Tremissis enthält rund eineinhalb Gramm Feingold. Der Rest entfällt auf Alter, Zustand, geschichtliche Bedeutung, Seltenheit des Typs und den Aufwand für Prüfung und Zuordnung. Der Goldpreis ist bei solchen Stücken eher eine untere Grenze als der eigentliche Preistreiber.
Sollte ich eine antike Münze reinigen?
Nein. Chemische oder mechanische Reinigung zerstört die gewachsene Patina und hinterlässt Spuren, die den Wert dauerhaft mindern. Auch das Polieren von Bronzemünzen ist ein häufiger und nicht mehr zu behebender Fehler. Wollen Sie eine Verschmutzung entfernen lassen, wenden Sie sich an einen erfahrenen Numismatiker oder Restaurator.
Welche Steuer fällt beim Kauf an?
Antike Goldmünzen fallen nicht unter die Steuerbefreiung für Anlagegold, weil diese unter anderem eine Prägung nach 1800 voraussetzt. Der ermäßigte Steuersatz für Sammlungsstücke gilt seit 2014 nur noch bei der Einfuhr aus einem Land außerhalb der EU, Lieferungen im Inland unterliegen dem regulären Satz. Häufig rechnen Händler mit gebrauchten Sammlungsstücken nach der Differenzbesteuerung ab, bei der nur die Handelsspanne besteuert wird. Was in Ihrem Fall gilt, weist die Rechnung aus. Eine verbindliche Auskunft zu Ihrer persönlichen Situation kann nur ein Steuerberater geben.
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