Staatsverschuldung auf Kriegsniveau – Gold als Schutz
Es gibt Sätze, die einem Ökonomen wie Professor Dr. Thomas Mayer nicht leicht über die Lippen kommen – und gerade deshalb haben sie Gewicht. Der ehemalige Chief European Economist bei Goldman Sachs, frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Instituts hat schon viele Krisen kommen und gehen sehen. Doch was er heute beobachtet, ist von einer historischen Dimension, die selbst gestandene Finanzprofis ins Grübeln bringt.
Weltweit haben wir ein Staatsschuldenproblem, und zwar so groß, wie es in der Vergangenheit nur in Kriegszeiten war – wenn Kriege durch Schulden finanziert worden sind.
Dieser eine Satz fasst zusammen, was zwischen Washington, Frankfurt, Tokio und Peking gerade unter der Oberfläche brodelt. Und er erklärt, warum immer mehr Anleger ihren Blick wieder auf das älteste Wertaufbewahrungsmittel der Menschheit richten: auf physisches Gold.
Schulden wie im Krieg – nur ohne Krieg gewonnen
Die Zahlen, über die Mayer spricht, sind keine Randnotiz. Die Schuldenuhr der USA dreht sich mittlerweile so schnell, dass alle rund 100 Tage eine weitere Billion Dollar hinzukommt. Im September könnte die Marke von 40 Billionen Dollar fallen. Japan ächzt unter einer Staatsverschuldung von 237 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und Europa? Deutschland steht mit rund 64 Prozent vergleichsweise solide da – doch das ist nur die halbe Wahrheit.
Denn unter der Wasseroberfläche wächst ein Schuldeneisberg heran, der in keiner offiziellen Statistik sauber auftaucht. Die gemeinschaftlichen EU-Schulden könnten bis Ende 2030 auf 1,15 Billionen Euro klettern, von denen Deutschland allein rund 120 Milliarden tragen müsste. Diese Schattenverschuldung ist das, was Mayer treffend mit dem Bild des Eisbergs beschreibt: was man sieht, ist harmlos – was darunter lauert, ist gewaltig.
Die zwei Ausgänge aus dem Schuldenlabyrinth
Mayer macht keinen Hehl daraus, wohin die Reise historisch betrachtet geht. Wenn Staaten sich derart übernehmen, gibt es am Ende meist nur zwei Wege heraus:
- Inflation: Die Schulden werden real entwertet, indem das Geld an Kaufkraft verliert – ein schleichender Enteignungsprozess, der den Sparer trifft.
- Geldreform: Der radikale Schnitt, bei dem ein Währungssystem durch ein neues ersetzt wird – mit allen Folgen für Vermögen, die nur auf Papier existieren.
Beide Szenarien haben eines gemeinsam: Wer sein Vermögen ausschließlich in Form von Bankguthaben und Anleihen hält, gehört zu den Verlierern. Wer dagegen auf reale, knappe Werte setzt, ist deutlich besser aufgestellt. Genau hier liegt die zeitlose Stärke von Goldbarren und Goldmünzen: Sie lassen sich nicht per Knopfdruck vermehren.
Die Zentralbanken in der fiskalischen Falle
Besonders aufschlussreich ist Mayers Analyse zur Rolle der Notenbanken. Sein Befund ist ernüchternd: Die Zentralbanken geraten zunehmend unter fiskalische Dominanz. Im Klartext bedeutet das, dass die geldpolitischen Hüter nicht mehr primär die Geldwertstabilität im Auge haben, sondern dafür sorgen müssen, dass sich überschuldete Staaten überhaupt noch zu erträglichen Konditionen refinanzieren können.
Die EZB ist nach Mayers Einschätzung längst in dieser Falle gefangen. Sie muss schauen, dass sich die Euroländer – und mittlerweile auch die Europäische Union selbst – günstig verschulden können. Die jüngste, eher vorsorgliche Zinserhöhung im Euroraum als Reaktion auf den Ölpreisschock und die geopolitischen Spannungen ändert daran nichts Grundsätzliches.
Letztendlich ist das die Lehre aus der Historie: Wenn Kriege durch Schulden finanziert worden sind, kommt am Ende entweder die Inflation oder die Geldreform.
Finanzielle Repression – die elegante Enteignung
Mayer nennt das Werkzeug beim Namen, mit dem sich Staaten am liebsten entschulden: die finanzielle Repression. Dabei wird die Inflation laufen gelassen, während die Zinsen künstlich unter der Inflationsrate gehalten werden. Der Staat entschuldet sich auf diese Weise schleichend – auf Kosten all jener, die Geld verleihen oder sparen.
Und genau dieses Umfeld, so der Ökonom, befördert die Nachfrage nach Inflationsschutz wie Gold. Wer verstehen will, warum die Notenbanken der Welt seit Jahren ihre Goldreserven aufstocken, findet hier die Antwort. Es ist kein Zufall – es ist eine rationale Reaktion auf ein zerbröselndes Schuldengeldsystem.
Warum Gold zwischenzeitlich pausierte – und warum das kein Grund zur Sorge ist
Eine Frage beschäftigt viele Anleger: Warum ist der Goldpreis trotz Ukraine-Konflikt, Nahost-Eskalation und Schuldenflut zwischenzeitlich nicht weiter durchgestartet? Mayers Erklärung ist nüchtern und entzaubert das vermeintliche Paradox.
- Mindestens eine Zentralbank – die türkische – hat den hohen Goldpreis genutzt, um erhebliche Mengen abzustoßen, weil sie dringend Devisen brauchte.
- Kurzfristig orientierte Spekulanten, die auf den fahrenden Zug der Zentralbankkäufe aufgesprungen waren, haben Gewinne mitgenommen.
- Die haukischeren Töne der Notenbanken und die Zinsanhebungen lasteten temporär auf dem Markt.
Doch das ist die kurzfristige Perspektive. Mittelfristig, so Mayer unmissverständlich, behält Gold seine Rolle. Denn der eigentliche Treiber ist struktureller Natur.
Das Ende der unangefochtenen Dollar-Hegemonie
Solange die USA nach dem Fall der Sowjetunion als alleiniger globaler Hegemon agierten, war der Dollar die unbestrittene Leitwährung. Mit dem Aufstieg Chinas und der Aggression Russlands verändert sich diese Ordnung fundamental. In einer multipolaren Welt kann keine einzelne Staatswährung mehr die gesamte Finanzszene beherrschen.
Die Konsequenz: Zentralbanken weltweit suchen nach einem neutralen Reserveasset, das keiner fremden Regierung gehört. Dieses Asset heißt Gold. Eine Studie aus Mayers früherem Hause, der Deutschen Bank, zeigt ein interessantes Detail – die Notenbanken der Industrieländer haben bereits kräftig aufgestockt, während die Schwellen- und Entwicklungsländer noch deutlich hinterherhinken. Mit anderen Worten: Da kommt noch erhebliche Nachfrage.
Wer diese Entwicklung in der Tiefe nachvollziehen möchte, findet in unserem Magazin spannende Hintergründe – etwa zu Guineas Versuch, den Abfluss seines Goldes zu stoppen oder zu Russlands großspurigen Goldversprechen.
Fort Knox, 42 Dollar und der Trick mit der Neubewertung
Ein besonders heißes Eisen: Die Goldreserven der USA werden in den Büchern noch immer mit lächerlichen 42 Dollar pro Unze angesetzt – ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Trump hatte angekündigt, das Gold in Fort Knox erstmals seit über 50 Jahren wieder auditieren zu lassen. Liegt also eine Neubewertung der Bestände in der Luft, um dem hochverschuldeten Staat etwas Luft zu verschaffen?
Mayer kennt die Versuchung – und warnt davor. Schon Theo Waigel wollte einst die deutschen Goldreserven aufwerten, um die Wiedervereinigung mitzufinanzieren. Die Bundesbank stellte sich quer und verhinderte es. Würde Trump einen solchen Buchgewinn heben, wäre das nach Mayers Einschätzung verheerend für das Vertrauen in die US-Staatsanleihen:
Wenn Trump so etwas machen würde, wäre es ganz schlecht für die Treasuries. Es würde signalisieren, wie schlimm es um den US-Staatshaushalt wirklich steht.
Spannend ist die Konstellation an der Spitze: Zwei ehemalige Hedgefonds-Manager kontrollieren mittlerweile Treasury und Fed. Mayer traut ihnen zu, Trump von solchen Manövern abzuhalten – sie wüssten gut genug, welches Feuer sie damit entfachen würden.
Stable Coins, Tokenisierung und die digitale Währungsschlacht
Doch während die alten Schuldenfragen ungelöst bleiben, tobt an der digitalen Front bereits die nächste Revolution. Stable Coins – digitale Versionen des Fiat-Kreditgelds – verändern das Finanzsystem rasant. Besonders im Dollarraum boomt das Geschäft, weil die Emittenten die hinterlegten Reserven zu rund vier Prozent in kurzlaufende US-Staatsanleihen anlegen können. Ein lukratives Modell.
Mayer sieht darin nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine logische technologische Entwicklung. Stable Coins werden vor allem dort wichtig, wo der klassische Finanzsektor wenig entwickelt und teuer ist – sowie bei der Tokenisierung von Wertpapieren, die Handel und Bezahlung in einem einzigen, finalen Vorgang verschmelzen lässt.
Gold als Anker der digitalen Welt
Hochinteressant: Der größte Dollar-Stable-Coin-Anbieter ist mittlerweile zu einem der größten Goldkäufer überhaupt mutiert – er besitzt mehr Gold als manche Zentralbank, etwa Mexiko. Und in der Schweiz entstehen bereits goldgedeckte Coins. Die Logik dahinter ist bestechend: Wer einen knappen Rohstoff besitzt, hat einen realen Anker, dem die Menschen vertrauen.
Mayer ist bei aller Skepsis gegenüber dem digitalen Euro klar: Wettbewerb ist gut. Gefährlich wird es erst dort, wo der Staat ein Monopol erzwingen und seine Bürger in eine bestimmte Währung drängen will. Diese Sorge teilen viele Anleger – und sie ist ein weiteres Argument für ein Asset, das sich der digitalen Kontrolle entzieht: physisches Gold im eigenen Besitz. Ob als Maple Leaf, Wiener Philharmoniker oder China Panda – die Auswahl reicht von den Klassikern bis zu begehrten Sammlerstücken.
KI: Die Revolution, die zuerst die Bildungsjobs frisst
Ein Thema, das Mayer immer wieder anspricht, ist die künstliche Intelligenz – und seine These ist provokant. Anders als frühere industrielle Umbrüche vernichtet diese Revolution nicht zuerst die Hilfsarbeiter, sondern die akademischen Bildungsberufe.
Das ist die erste industrielle Revolution, die die Bildungsjobs zuerst vernichtet. Wir werden wieder zurückgehen zu Berufen, wo man tatsächlich anfasst.
Mayer prognostiziert eine tiefgreifende Verschiebung der gefragten Fähigkeiten:
- Das schnelle Abrufen von Wissen – einst ein Wettbewerbsvorteil – verliert an Bedeutung.
- Gefragt sind künftig Überblick, Urteilsvermögen und die Fähigkeit, KI-Systeme zu managen.
- Handwerkliche Berufe erleben eine Renaissance: vom Schreiner über den Chirurgen bis zum Psychologen – überall, wo Hände und Menschlichkeit gefragt sind.
Mayer geht sogar davon aus, dass eine KI-Blase platzen wird – und sieht darin nichts Schlimmes. Im Gegenteil: Historisch markierte das Platzen einer Technologieblase stets den Beginn der gesunden Aussortierung. So war es bei der Eisenbahn, beim Automobil und bei der Dotcom-Blase, aus deren Trümmern später Giganten wie Amazon erwuchsen.
Europas größtes Problem ist sein Mindset
Für Europa zeichnet Mayer ein unbequemes Bild. Während die USA an der Spitze der entstehenden Netzwerkökonomie stehen und China im staatskapitalistischen Stil aufholt, verharrt der alte Kontinent mental in der Maschinenwirtschaft. Selbst der Sozialstaat, so Mayer, sei eine Schöpfung des Industriezeitalters – und der Versuch, ihn unverändert zu retten, gleiche dem Vorhaben, mit einem Museumsstück in die Zukunft zu starten.
Es fehle nicht an Talenten oder Ideen – Deutschland sei in der KI-Forschung an Instituten wie dem Fraunhofer durchaus mitführend. Was fehle, sei der Mut und das richtige Umfeld, dieses Wissen zu halten und zu kommerzialisieren. Ein Mentalitätswandel sei überfällig.
Was bedeutet das für Sie als Anleger?
Ziehen wir die Fäden zusammen. Mayers Analyse zeichnet ein Bild, das in seiner Konsequenz eindeutig ist: Wir leben in einer Zeit historischer Verwerfungen, in der die alten Gewissheiten erodieren.
- Staatsschulden auf Kriegsniveau – mit Inflation oder Geldreform als wahrscheinlichen Auswegen.
- Zentralbanken in fiskalischer Gefangenschaft, die den Geldwert dem Schuldendienst opfern müssen.
- Eine multipolare Welt, in der das Vertrauen in einzelne Staatswährungen schwindet.
- Notenbanken, die selbst Gold horten – mit noch enormem Nachholbedarf in den Schwellenländern.
In einem solchen Umfeld zeigt sich, warum Gold seit Jahrtausenden seine Funktion erfüllt: Es ist die einzige Währung, die jede Inflation, jede Geldreform und jeden Staatsbankrott überlebt hat. Wer langfristig denkt, baut sich einen physischen Vermögensanker auf – ob mit einem klassischen Krügerrand, einer fein geprägten 1g Gold Maple Leaf oder einem handlichen 0,1g Goldbarren von Heimerle und Meule für den Einstieg.
Auch Sammler kommen nicht zu kurz: Der 0,5g Gold Deutscher Adler 2026 verbindet Anlagewert mit nationalem Charakter, während die Lunar-Serie und der Känguru jährlich neue Motive für Liebhaber bereithalten.
Professor Mayer ist kein Apokalyptiker. Er ist ein nüchterner Analyst, der die Mechanismen des Geldsystems besser kennt als die meisten. Und gerade deshalb wiegt seine zentrale Botschaft so schwer: Die Schulden sind so hoch wie in Kriegszeiten – und am Ende eines solchen Weges stand in der Geschichte immer die Entwertung des Papiergeldes. Wer das verstanden hat, trifft seine Entscheidungen heute. Nicht erst, wenn es zu spät ist.
More Podcasts

Deutschlands Energiepolitik: Deindustrialisierung durch Fehlentscheidungen
22.06.2026

Meinungsfreiheit & Vermögensschutz: Bohlen & Kettner im Dialog
21.06.2026

Antifaschistische Aktion: KPD-Gründung 1932 und versteckte Geschichte
21.06.2026

Trump distanziert sich von Israel – Machtkampf um Macht und Vermögen
20.06.2026

