
Deutsche Goldreserven bei der Fed: Warum die Debatte um die Rückholung des Bundesbank-Golds 2026 neu entbrannt ist
Rund ein Drittel des deutschen Staatsgoldes liegt nicht in Frankfurt, sondern gut 6.000 Kilometer entfernt in einem Tresor unter Manhattan. Solange die transatlantischen Beziehungen als selbstverständlich galten, war das kaum ein Thema. Seit die Politik von US-Präsident Donald Trump als unberechenbar gilt, ist die Frage zurück auf der Tagesordnung: Ist das deutsche Gold bei der Federal Reserve in New York noch am richtigen Ort? Anfang 2026 forderte der Steuerzahlerbund die Rückholung, im März debattierte der Bundestag einen entsprechenden Antrag – und die Bundesbank winkt weiter ab.
Worum es geht: ein Goldschatz von historischem Ausmaß
Deutschland verfügt nach den Vereinigten Staaten über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Zum Jahresende 2025 waren es rund 3.350 Tonnen. Verwaltet werden diese Bestände von der Deutschen Bundesbank, die den Goldschatz nach dem Bundesbankgesetz als Teil der Währungsreserven hält. Es handelt sich also nicht um Privatvermögen, sondern um staatliches Reservegold.
Bemerkenswert ist die Wertentwicklung. Der Bilanzwert der Reserven ist über die Jahre kräftig gestiegen: Ende 2023 wies die Bundesbank ihn mit rund 201 Milliarden Euro aus, Ende 2024 mit rund 271 Milliarden Euro. Mit dem weiter gestiegenen Goldpreis liegt der Buchwert für 2025/2026 nach Berechnungen aus Notenbankumfeld und Fachpresse in der Größenordnung von rund 460 Milliarden Euro. Im Jahresabschluss 2025 wies die Bundesbank allein für das Gold eine Neubewertungsreserve von rund 387 Milliarden Euro aus. Damit ist Gold zur wertvollsten Aktivposition der Bundesbank-Bilanz geworden – und zugleich zur einzigen substanziellen Position ohne Gegenparteienrisiko.
Wo lagert das deutsche Gold heute?
Die Bundesbank verteilt die Reserven bewusst auf mehrere Standorte. Nach den Angaben zum Bestand von rund 3.350 Tonnen ergibt sich folgendes Bild:
- Frankfurt am Main – rund 1.710 Tonnen, also etwas mehr als die Hälfte, liegen in den eigenen Tresoren der Bundesbank.
- New York – rund 1.236 Tonnen, knapp 37 Prozent, lagern bei der Federal Reserve Bank of New York.
- London – rund 404 Tonnen, gut 12 Prozent, verwahrt die Bank of England.
Auffällig ist, dass Paris nicht mehr auf der Liste steht. Bis 2017 lagerte auch bei der Banque de France deutsches Gold. Im Zuge des 2013 vorgestellten Lagerstellenkonzepts wurden die kompletten Pariser Bestände sowie ein Teil des New Yorker Goldes nach Frankfurt verlagert. Insgesamt holte die Bundesbank rund 374 Tonnen aus Paris und rund 300 Tonnen aus New York zurück – und schloss dieses Programm sogar drei Jahre früher als geplant ab. Seither lagert deutsches Gold nur noch an den drei genannten Standorten.
Warum überhaupt New York und London?
Die Auslandslagerung hat historische Wurzeln. Ab Mitte der 1950er Jahre baute die junge Bundesrepublik im Zuge des Wirtschaftswunders massiv Goldbestände auf. Der Exportboom spülte hohe Dollar-Überschüsse ins Land, die im System von Bretton Woods bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht wurden. Das Gold entstand also faktisch dort, wo es bis heute liegt – und wurde aus Kosten-, Sicherheits- und Kalten-Krieg-Erwägungen zunächst gar nicht nach Deutschland gebracht.
Bis heute begründet die Bundesbank die Verteilung mit zwei Kernfunktionen der Goldreserven: Vertrauensbildung im Inland und die Möglichkeit, im Krisenfall kurzfristig Gold gegen Fremdwährung zu tauschen. New York und London sind die weltweit wichtigsten Handels- und Umschlagplätze für Gold. Wer dort lagert, kann im Ernstfall schnell handeln, ohne erst tonnenweise Barren über den Atlantik zu bewegen.
Wie die Debatte 2026 neu entbrannte
Den Anstoß gab der außenpolitische Kurs der US-Regierung. Der aggressive Ton im Streit um Grönland löste in Deutschland eine Diskussion darüber aus, ob amerikanische Tresore noch als sicherer Verwahrort taugen. Anfang Februar 2026 machte der Bund der Steuerzahler die Frage zum offiziellen Politikum.
„Wir sind der Auffassung, dass es höchste Zeit ist, das deutsche Gold aus den USA zurückzuholen.“
Michael Jäger, Vizepräsident des Bundes der Steuerzahler Deutschland
Jäger begründete den Vorstoß mit dem gesunkenen Vertrauen in die USA. Sein zentrales Argument ist finanzieller Natur: Die Vereinigten Staaten müssten allein für Zinsen auf ihre steigenden Staatsschulden jährlich rund eine Billion US-Dollar aufbringen. In einer solchen Lage, so die Sorge, könnte die Verlockung wachsen, auf ausländische Vermögenswerte zuzugreifen. Er räumte selbst ein, dass dies wie ein Horrorszenario klinge – hielt das Risiko aber für zu hoch, um es zu ignorieren. Zugleich betonte er, dass die Entscheidung allein bei der Bundesbank liege.
Der AfD-Antrag im Bundestag
Im März 2026 erreichte die Debatte das Parlament. Am 18. März behandelte der Bundestag erstmals einen Antrag der AfD-Fraktion (Drucksache 21/4739) mit dem Titel „Deutsches Staatsgold vollständig nach Deutschland holen“. Nach kurzer Debatte wurde die Vorlage zur weiteren Beratung an den federführenden Finanzausschuss überwiesen. Die Antragsteller fordern, sämtliche Auslandsbestände – die rund 1.236 Tonnen aus New York und die rund 404 Tonnen aus London – nach Deutschland zu repatriieren.
Die Argumentation stützt sich auf mehrere Punkte:
- Souveränität: Nationales Reservevermögen solle ohne Drittparteienrisiko vollständig auf eigenem Boden liegen.
- Sanktions- und Zugriffsrisiko: Auslandslagerung unterliege potenziellen politischen Risiken.
- Stabilitätsanker: Gold sei die einzige Aktivposition der Bundesbank-Bilanz ohne Gegenparteienrisiko und ein „psychologischer und materieller Stabilitätsgarant“.
- Transparenz: gefordert wird zudem ein jährlicher Bericht mit Bestand, Lagerorten und vollständigen Barrennummern.
Die übrigen Fraktionen zeigten sich in der Debatte ablehnend. Aus Union und SPD hieß es, es bestehe kein Handlungsbedarf; die internationale Verteilung sei gerade in Krisenzeiten ein Vorteil. In der weiteren parlamentarischen Beratung wurde der Antrag schließlich gegen die Stimmen der AfD abgelehnt. Eine politische Mehrheit für eine vollständige Rückholung ist derzeit nicht in Sicht.
Die Position der Bundesbank: kein Grund zur Sorge
Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat der Debatte wiederholt widersprochen. Er sehe keinen Anlass, die Reserven aus den USA zurückzuholen.
„Ich zweifele nicht daran, dass unser Gold bei der Fed in New York sicher aufbewahrt ist.“
Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank
Die Bundesbank argumentiert, die Vorstellung, dass die Bestände unterschlagen oder gestohlen würden, sei unrealistisch. Die Fed New York gilt ihr als vertrauenswürdiger und verlässlicher Partner. Hinzu kommt das praktische Argument der Handelbarkeit: London ist ein bedeutender Umschlagplatz, an dem Gold im Bedarfsfall schnell gegen Devisen getauscht werden kann. Eine vollständige Rückführung wäre nach Darstellung der Notenbank zudem mit erheblichen logistischen und sicherheitstechnischen Herausforderungen verbunden.
Pro und Contra im Überblick
| Für eine Rückholung | Gegen eine Rückholung |
|---|---|
| Volle nationale Kontrolle, kein Drittparteienrisiko | Bewährte Diversifikation über mehrere Standorte |
| Unabhängigkeit von US-Politik und Sanktionslage | Nähe zu den wichtigsten Goldhandelsplätzen |
| Vertrauens- und Souveränitätssignal an die Bürger | Schnelle Tauschbarkeit gegen Fremdwährung im Krisenfall |
| Option einer Golddeckung bei künftigen Währungsfragen | Hoher logistischer Aufwand und Transportrisiko |
Bemerkenswert an der aktuellen Diskussion ist, dass beide Seiten dieselbe Grundprämisse teilen: Gold ist als krisenfeste Reserve unverzichtbar. Gestritten wird nicht über den Wert des Metalls, sondern über den richtigen Lagerort – und damit über die Frage, wem man die sichere Verwahrung zutraut.
Vom Staatsgold zum eigenen Tresor: warum viele Bürger den Schluss selbst ziehen
Genau an diesem Punkt wird die Debatte für viele Menschen persönlich. Wenn schon über das Staatsgold diskutiert wird, ob es an einem fremden Ort sicher genug liegt, stellt sich für den privaten Sparer eine verwandte Frage: Wie viel Kontrolle möchte ich über mein eigenes Vermögen behalten?
Die Parallele ist nicht neu. Der Reiz von physischem Gold liegt seit jeher darin, dass es ein Sachwert ohne Gegenparteienrisiko ist – kein Versprechen einer Bank, kein Eintrag in einem Depot, sondern greifbares Metall. Wer Barren oder Münzen selbst verwahrt, ist von der Bonität und den Entscheidungen Dritter unabhängig. Dasselbe Prinzip, das die AfD und der Steuerzahlerbund für das Staatsgold reklamieren, gilt im Kleinen für jeden Anleger.
Wer über den Einstieg in physisches Edelmetall nachdenkt, orientiert sich meist an gut handelbaren Standardprodukten. Klassiker sind etwa der Krügerrand als weltweit meistgehandelte Goldmünze oder das 1-Unze-Maple-Leaf. Wer größere Beträge anlegen möchte, greift häufig zu Goldbarren in verschiedenen Gewichtsstufen. Eine breite Übersicht bietet die Kategorie Gold kaufen mit Münzen und Barren.
Kettner Edelmetalle ist als reiner Online-Händler mit versichertem Versand auf genau diese Form der Eigenverwahrung ausgerichtet. Das ändert nichts am Charakter dieses Artikels: Er soll informieren, nicht zum Kauf drängen. Ob und in welchem Umfang physisches Gold zum eigenen Vermögen passt, ist eine individuelle Entscheidung, die von der persönlichen Situation abhängt und keine Renditeversprechen kennt.
Einordnung: Symbolpolitik oder berechtigte Vorsorge?
Nüchtern betrachtet steht die Wahrscheinlichkeit einer tatsächlichen Beschlagnahmung deutschen Staatsgoldes durch die USA gering. Die Fed New York verwahrt Gold zahlreicher Staaten und lebt von ihrem Ruf als verlässlicher Verwahrer. Ein Zugriff würde das internationale Vertrauen in den US-Finanzplatz nachhaltig beschädigen. Insofern hat die Bundesbank mit ihrer sachlichen Risikoeinschätzung durchaus Argumente auf ihrer Seite.
Zugleich zeigt die Debatte, dass sich die Koordinaten verschoben haben. Vor wenigen Jahren wäre die Frage nach der Sicherheit amerikanischer Tresore als abwegig abgetan worden. Dass sie heute im Bundestag verhandelt wird, ist selbst ein Signal: Vertrauen, das lange als selbstverständlich galt, wird neu verhandelt. Für den einzelnen Sparer ist die Lehre weniger dramatisch, aber konkret – die Frage nach der eigenen Kontrolle über das eigene Vermögen bleibt aktuell, unabhängig davon, wie der Staat sie für seine Reserven beantwortet.
Häufige Fragen zu den deutschen Goldreserven
Wie viele Tonnen Gold besitzt Deutschland?
Zum Jahresende 2025 verfügte die Deutsche Bundesbank über rund 3.350 Tonnen Gold. Damit hält Deutschland nach den Vereinigten Staaten die zweitgrößten staatlichen Goldreserven der Welt. Der Bestand verändert sich nur geringfügig, da die Bundesbank abgesehen von kleinen jährlichen Abgaben an das Bundesfinanzministerium für die Münzprägung weder nennenswert kauft noch verkauft.
Wo lagert das deutsche Gold genau?
Das Gold verteilt sich auf drei Standorte: rund 1.710 Tonnen in den eigenen Tresoren der Bundesbank in Frankfurt am Main, rund 1.236 Tonnen bei der Federal Reserve Bank of New York und rund 404 Tonnen bei der Bank of England in London. Der frühere Lagerort Paris wurde bis 2017 vollständig aufgelöst.
Wie viel des deutschen Goldes liegt in New York?
Bei der Fed in New York lagern rund 1.236 Tonnen, das entspricht knapp 37 Prozent des Gesamtbestandes. Der geschätzte Wert dieses Anteils liegt in der Größenordnung von rund 150 Milliarden Euro. Es ist damit nach Frankfurt der zweitgrößte Lagerort.
Warum lagert Deutschland sein Gold überhaupt im Ausland?
Die Auslandslagerung hat historische Gründe: Ein Großteil der Reserven entstand während des Wirtschaftswunders durch den Umtausch von Dollar-Überschüssen in Gold bei der US-Zentralbank. Bis heute begründet die Bundesbank die Verteilung mit der Nähe zu den wichtigsten Goldhandelsplätzen New York und London, an denen im Krisenfall schnell gegen Devisen getauscht werden könnte.
Wird das deutsche Gold nun aus den USA zurückgeholt?
Derzeit nicht. Sowohl der Steuerzahlerbund (Februar 2026) als auch die AfD-Fraktion (Antrag im März 2026) fordern eine Rückholung, doch die Bundesbank sieht keinen Anlass. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hält das Gold bei der Fed für sicher aufbewahrt. Eine politische Mehrheit für eine vollständige Repatriierung besteht aktuell nicht.
Was bedeutet die Debatte für private Anleger?
Direkt betrifft die Debatte nur das Staatsgold, nicht das Privatvermögen. Indirekt greift sie jedoch ein Grundmotiv auf, das auch für Privatanleger gilt: den Wunsch nach Kontrolle über die eigenen Werte. Physisches Gold in Eigenbesitz ist ein Sachwert ohne Gegenparteienrisiko. Ob und in welchem Umfang es zum eigenen Portfolio passt, ist eine individuelle Entscheidung ohne Renditeversprechen.

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