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Kettner Bullion

Stromabschaltungen: Wie die Bundesnetzagentur plant

22.08.2026PodcastKettner BullionCompanion text AI-generated

Es gibt Dokumente, die klingen im Amtsdeutsch harmlos – und entfalten erst beim zweiten Hinsehen ihre volle Sprengkraft. Die "Sicherheitsplattform Strom" der Bundesnetzagentur ist so ein Fall. Offiziell handelt es sich um ein Instrument der Krisenvorsorge. Tatsächlich entsteht hier gerade ein digitales Verzeichnis darüber, wer im Ernstfall vom Netz genommen wird – und wer nicht.

Zwei Jahre lang wurde an diesem Projekt eher gemächlich gearbeitet. Und dann, plötzlich, Eile. Netzbetreiber sollen liefern, Daten melden, Verbraucher erfassen. Fristen werden verkürzt. Wer in der Branche nachfragt, warum es auf einmal so dringend ist, bekommt keine überzeugende Antwort.

"Es läuft seit zwei Jahren – und jetzt plötzlich muss es innerhalb kürzester Zeit erledigt werden. Selbst die Netzbetreiber haben nachgefragt: Wenn keine Knappheit droht, warum ist es dann jetzt so dringend? Die Antwort kann sich jeder selbst ausdenken."

Vom "Blackout-Märchen" zur Verwaltungsroutine

Noch vor wenigen Jahren galt jeder, der vor großflächigen Stromausfällen warnte, als Panikmacher. Heute ist die Abschaltplanung administrative Normalität. Das ist der eigentliche Skandal: nicht dass vorgesorgt wird, sondern dass die Vorsorge inzwischen offenbar dringlicher ist als der politische Diskurs darüber.

Die Zahlen, die täglich durch die Regionalpresse laufen, liest kaum jemand mehr aufmerksam. 30.000 Haushalte ohne Strom hier. 20.000 dort. Meist nur für kurze Zeit. Meist mit technischer Erklärung. Aber die Häufigkeit steigt – und mit ihr die Gewöhnung.

Gewöhnung ist in diesem Zusammenhang das gefährlichste Wort überhaupt. Denn was heute als Ausnahme durchgeht, wird morgen als "neue Normalität" verkauft.

Das Rechenbeispiel, das die ganze Misere erklärt

Man muss kein Elektroingenieur sein, um das Grundproblem zu verstehen. Ein deutsches Stromnetz, über sechs Jahrzehnte gewachsen, wurde für eine völlig andere Verbrauchswelt gebaut.

Nehmen wir eine typische Wohnstraße aus den 1970er Jahren mit zehn Einfamilienhäusern:

  • Damaliger Bedarf pro Haus: rund 3,5 kW – macht in Summe etwa 35 kW
  • Verlegt wurde eine Leitung für etwa 50 kW, mit Reserve für Lastspitzen
  • Heute: fünf Wärmepumpen à 4 bis 5 kW im Winterbetrieb – plus 25 kW
  • Dazu drei bis vier Wallboxen mit je 11 kW – plus rund 40 kW
  • Ergebnis: Die Straße braucht plötzlich 100 kW auf einer Leitung, die für die Hälfte ausgelegt ist

Multiplizieren Sie dieses Beispiel mit Zehntausenden Straßen in ganz Deutschland – und Sie haben das Problem in seiner ganzen Größe. Die Politik verordnet die Elektrifizierung von Wärme und Mobilität, ohne dass das Verteilnetz auch nur ansatzweise Schritt hält.

Das Smart Meter ist die Lösung – aber für wen?

Die Antwort der Behörden heißt intelligentes Messsystem. Und man muss fair bleiben: Technisch ist der Ansatz nachvollziehbar. Statt eine ganze Region hart abzuschalten, lässt sich gezielt steuern.

Nur: Steuern heißt auch priorisieren. Und Priorisieren heißt, dass jemand entscheidet, wer wichtig ist.

"Mit Smart Meter habe ich die Möglichkeit zu sagen: Okay, das Krankenhaus lass weiterlaufen, Polizei und wichtige Betriebe behalten Strom – aber den normalen Bürger, wo es nicht so wichtig ist, den können wir dann abschalten."

Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern die schlichte Funktionsbeschreibung. Zunächst betrifft die Drosselung Wärmepumpen, Wallboxen und Elektroautos. Der nächste logische Schritt in einer echten Mangellage: der gesamte Haushalt.

22 Gigawatt Lücke – die Zahl, die niemand hören will

Warum das Ganze überhaupt nötig ist, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Deutschland hat in wenigen Jahren rund 30 Prozent seiner steuerbaren Kraftwerkskapazität abgeschaltet – Kohle, teilweise Gas, dazu die Kernkraft. Politisch gewollt, ideologisch begründet, technisch nicht kompensiert.

Was übrig bleibt, ist ein System, das vom Wetter abhängt. Und das Wetter kennt weder Industrieproduktion noch Feierabendverkehr.

  • Prognostizierte Leistungslücke bis 2030: bis zu 22 Gigawatt
  • Das entspricht etwa dem Vierfachen des gesamten österreichischen Verbrauchs
  • Oder: mehr als sämtliche deutschen Privathaushalte zusammen benötigen
  • Gegenmaßnahme: Ausschreibung von rund 11 Gigawatt neuer Gaskraftwerke
  • Geschätzter Förderbedarf: bis zu 40 Milliarden Euro

Man muss sich diese Absurdität auf der Zunge zergehen lassen. Erst werden funktionierende Kraftwerke mit Milliardenaufwand stillgelegt. Dann werden mit weiteren Milliarden neue gebaut. Bezahlt wird beides vom selben Steuer- und Stromzahler.

Erziehung durch Preis

Parallel läuft ein zweiter Mechanismus, den man beim Namen nennen sollte: Verhaltenssteuerung über den Preis. Der Bürger soll lernen, dann zu verbrauchen, wenn die Sonne scheint. Waschmaschine am Mittag. Auto laden bei Starkwind.

Nur – wer mittags in der Arbeit sitzt, kann seine Waschmaschine schlecht bedienen. Und selbst wenn alle mitmachten: Es würde vorne und hinten nicht reichen. Bei einer Lücke von zweistelligen Gigawattbeträgen geht es nicht mehr um Verhaltensoptimierung. Es geht um Abschaltung.

Gasspeicher so leer wie nie – das Risiko im kommenden Winter

Bundeskanzler Merz begründet die anhaltende Energiekrise im Sommerinterview mit dem fehlenden russischen Gas. Das ist die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte betrifft die Speicherstände – und die sind alarmierend.

  • Die deutschen Gasspeicher liegen aktuell rund 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau
  • Bereits im vergangenen Winter war man knapp an einer Gasmangellage vorbeigeschrammt
  • Die täglichen Importmengen liegen unter denen des Vorjahres – die Lücke wird also größer, nicht kleiner
  • Im Winter erzeugt Deutschland einen erheblichen Teil seines Stroms aus Gas

Der Zusammenhang ist simpel und brutal: Steigt der Gaspreis, steigt automatisch der Strompreis. Und wenn im Winter das Gas physisch knapp wird, dann greifen genau jene Notfallmechanismen, an denen die Bundesnetzagentur derzeit mit auffälliger Eile arbeitet.

Der Ölmarkt als zweite Zeitbombe

Dazu kommt die geopolitische Komponente. Rund 25 Prozent des weltweiten Öltransports laufen durch die Straße von Hormus. Die Lage dort ist unberechenbar geworden – mal Entspannung, mal Eskalation, je nach Tageslaune der beteiligten Akteure.

Dass die Preise an den Energiemärkten bislang relativ ruhig blieben, hat einen banalen Grund: Es wird massiv aus den strategischen Reserven entnommen. Das ist keine Marktstabilität, das ist eine Zwischenfinanzierung auf Zeit. Sind die Speicher leer, holt die Realität die Preise ein – über Nacht.

"Sobald diese Speicher irgendwann leer sind, werden auch bei uns die Preise wieder explodieren."

Wer verstehen will, wie eng Energiepreise, Geldentwertung und Edelmetalle zusammenhängen, findet in unserer Analyse zu Gold rund um die 4.000er-Marke und der stabilen Bodenbildung die passende Einordnung.

Jetzt trifft es auch den Mittelstand

Bislang galt: Abschaltbare Lasten, das sind die Großen. Aluminiumhütten, Stahlwerke, Chemieparks. Diese Zeit ist vorbei.

Neu erfasst werden nun auch mittlere und kleinere Betriebe mit rund einem Megawatt Anschlussleistung. Das klingt viel, ist es aber nicht – selbst größere Ladeparks für Elektrofahrzeuge erreichen solche Werte. Der Kreis derer, die auf der Liste stehen, wächst also erheblich.

Erfasst wird dabei nicht nur das Ob, sondern auch das Wie:

  1. In welchem Netzgebiet befindet sich der Verbraucher?
  2. Wie viel Leistung kann kurzfristig reduziert werden?
  3. Ist eine vollständige Abschaltung möglich?
  4. Für welchen Zeitraum ist diese Abschaltung zumutbar?

Das ist – nüchtern betrachtet – eine Rationierungsinfrastruktur. Sie mag im Katastrophenfall sinnvoll sein. Aber ihre bloße Existenz verändert etwas Grundlegendes: Der Zugang zu Energie wird von einer Selbstverständlichkeit zu einer zugeteilten Ressource.

Deindustrialisierung ist kein Schlagwort mehr

Ein Mittelständler mit 500 Mitarbeitern, volle Auftragsbücher, Erweiterungsbedarf – und trotzdem kein Spatenstich in Deutschland. Nicht aus Trotz, sondern aus schlichter Kalkulation: Auflagen, Personalkosten, Energiepreise, unsichere Versorgung.

Stattdessen der Blick nach Ungarn und in andere Länder, wo Strom günstiger und das Netz verlässlicher ist. Solche Entscheidungen fallen nicht laut. Sie fallen still, in Besprechungsräumen, und man merkt sie erst Jahre später an der Statistik.

Und die KI-Rechenzentren?

Die deutsche Politik träumt von Künstlicher Intelligenz "Made in Germany". Ein einziges großes KI-Rechenzentrum benötigt jedoch rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, stabile Leistung. Nachts scheint keine Sonne. Windstille gibt es auch. Beides gleichzeitig ist keine Seltenheit.

Ohne planbare Grundlast wird aus dem KI-Standort Deutschland nichts. Punkt. Die Rechenzentren entstehen dort, wo Strom billig und sicher ist – und das ist längst nicht mehr Mitteleuropa.

Was bedeutet das für Ihr Vermögen?

Hier schließt sich der Kreis. Denn Energieknappheit ist niemals nur ein technisches Problem. Sie ist ein monetäres Ereignis.

Teure Energie treibt die Produktionskosten. Produktionskosten treiben die Verbraucherpreise. Steigende Verbraucherpreise fressen Kaufkraft. Und Staaten, die gleichzeitig Milliarden in Kraftwerksförderung, Netzausbau und Sozialabfederung pumpen, finanzieren das über Schulden und Geldmengenausweitung.

Das Ergebnis kennen wir aus der Geschichte: Das Papiergeld verliert, das Sachwerte-Vermögen bleibt. Gold ist die älteste Währung der Menschheit – es hat jede Papierwährung überlebt, die jemals gedruckt wurde. Wer sich für die aktuellen Verwerfungen an den Edelmetallmärkten interessiert, sollte unbedingt einen Blick auf die Frage werfen, warum Papiergold in Europa ein Comeback erlebt – und warum die entscheidende Frage offen bleibt.

"EC-Karte und Kreditkarte funktionieren ohne Strom und Internet einfach nicht. Bei Stromausfall habe ich beides nicht."

Der digitale Zahlungsverkehr ist der wundeste Punkt

Das ist der Aspekt, den fast alle unterschätzen. Ein Land, das seinen Zahlungsverkehr vollständig digitalisiert, macht sich vollständig stromabhängig. Kein Strom, kein Terminal. Kein Terminal, kein Einkauf.

Bargeld hilft eine Weile. Aber Bargeld ist ein Versprechen – und Versprechen verlieren in Krisen rasant an Glaubwürdigkeit. Was seit über 7.000 Jahren funktioniert, ist etwas anderes: Metall, das man in die Hand nehmen kann.

Vorbereitung heißt: Struktur statt Panik

Krisenvorsorge ist kein Weltuntergangskult. Sie ist Handwerk. Nüchtern, planbar, in Stufen umsetzbar. Wer schon einmal mehrere Stunden ohne Strom saß, weiß, wie schnell aus Komfort ein Problem wird.

Die praktische Grundausstattung:

  • Licht und Energie: Powerbanks, Solarpanel, im Idealfall ein Notstromaggregat
  • Wasser: Bei längerem Stromausfall fällt auch die Wasserversorgung aus – inklusive Toilettenspülung
  • Wärme: Eine stromunabhängige Heizquelle für die kalte Jahreszeit
  • Lebensmittel: Vorrat für mindestens zwei bis drei Wochen
  • Zahlungsfähigkeit: Bargeld – und vor allem physische Edelmetalle in teilbarer Stückelung

Warum die Stückelung entscheidend ist

Der häufigste Fehler bei der Edelmetallvorsorge: ausschließlich große Einheiten. Eine 1 Unze Gold Krügerrand 2026 ist ein hervorragender Vermögensspeicher – aber niemand wird damit Brot beim Bäcker kaufen.

Genau deshalb ist eine durchdachte Mischung entscheidend. Kleine Einheiten für die Handlungsfähigkeit, größere für die Substanz:

Wer breiter streuen möchte, findet im gesamten Sortiment an Goldmünzen und Goldbarren die passenden Bausteine. Zu den weltweit etabliertesten Prägungen zählen der Maple Leaf, der Wiener Philharmoniker, der American Eagle, die Britannia, das Känguru, der China Panda sowie die begehrte Lunar-Serie. Einen vollständigen Überblick über alle Anlageformen bietet unsere Kategorie Gold.

Silber: das Kleingeld der Krise

Was in der Diskussion oft untergeht: Für den unmittelbaren Tauschhandel ist Silber sogar praktischer als Gold. Kleine Silbereinheiten im Wert von wenigen Euro sind exakt jene Größenordnung, in der Alltagsgeschäfte stattfinden.

Ein Laib Brot gegen zwei kleine Silberstücke – das mag heute exotisch klingen. In der Geschichte war es der Normalfall. Und historisch betrachtet hat dieses Prinzip jede Bankenkrise, jede Währungsreform und jeden Systemzusammenbruch überdauert.

Fazit: Die Liste ist das Symptom, nicht die Krankheit

Die Abschaltliste der Bundesnetzagentur ist kein Skandal für sich. Sie ist der sichtbare Beleg für ein Versagen, das seit Jahren angekündigt wurde – und das man politisch konsequent ignoriert hat.

Man hat funktionierende Erzeugung abgeschaltet, ohne Ersatz zu schaffen. Man hat die Elektrifizierung verordnet, ohne die Netze zu ertüchtigen. Man hat sich in geopolitische Abhängigkeiten begeben und nennt das Ergebnis nun "Versorgungsengpass".

Wer darauf wartet, dass der Staat das Problem für ihn löst, hat den Kern nicht verstanden. Der Staat baut gerade die Infrastruktur, um den Mangel zu verwalten – nicht, um ihn zu beseitigen.

"Es wird das neue Normal, dass man mal für mehrere Stunden vom Stromnetz getrennt ist. Wer nicht vorbereitet ist, der steht dann im Kalten."

Für den Einzelnen bedeutet das: Eigenverantwortung ist keine Option mehr, sondern Pflicht. Vorräte, Notstrom, Wasser – und ein Vermögensanteil, der nicht von Stromleitungen, Serverfarmen und Notenbankbeschlüssen abhängt.

Gold und Silber sind keine Wette auf den Untergang. Sie sind die Versicherung gegen die Fehler anderer. Wer sich zusätzlich mit den monetären Großwetterlagen befassen möchte, dem sei unsere Analyse zu goldgedeckten US-Anleihen und einer möglichen Rückkehr zum Goldstandard ebenso empfohlen wie der Beitrag darüber, warum Papiergeld sich selbst inszeniert – während Gold einfach glänzt.

Die Liste existiert. Die Frage ist nicht mehr, ob sie eines Tages angewendet wird. Die Frage ist, ob Sie bis dahin vorbereitet sind.

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