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Goldpreis-Crash 2026: Systemwechsel weg vom Dollar?

15.10.2026PodcastKettner BullionCompanion text AI-generated

Am 29. Januar 2026 stand Gold bei 5.594 US-Dollar je Unze, so hoch wie nie zuvor. Vierundzwanzig Stunden später war die Euphorie verflogen. Gold verlor an einem einzigen Handelstag knapp 10 Prozent, der stärkste Tagesverlust seit 1983. Silber, kurz zuvor noch bei rund 121 Dollar, büßte vom Hoch mehr als ein Drittel ein. Viele Anleger fragten sich damals, ob die große Edelmetall-Hausse vorbei sei. Wir halten diese Frage für falsch gestellt.

Die eigentliche Frage lautet: Was passiert gerade mit unserem Geldsystem? Kaum jemand kann sie fundierter beantworten als Dimitri Speck. Der Analyst, Entwickler von Handelsalgorithmen und Kopf hinter der Saisonalitäts-Plattform Seasonax veröffentlichte 2010 sein Buch „Geheime Goldpolitik“, international erschienen als „The Gold Cartel“. Darin geht es um die These, dass Zentralbanken den Goldpreis über Jahrzehnte gesteuert haben. Kritiker der Goldpreismanipulation galten damals noch als Spinner. Die Süddeutsche Zeitung schrieb, Speck habe sie aus der Verschwörerecke herausgeholt. Im Gespräch mit Dominik Kettner zeichnet er heute ein Bild, das weit über Tagesschwankungen hinausgeht.

„Wir sind in einem Systemwechsel weg vom Dollar hin zu Gold.“ – Dimitri Speck

Der Januar-Schock: Manipulation oder Marktpanik?

Wer Speck kennt, rechnet beim Thema Preisdrückung mit einer klaren Antwort. Diesmal fällt sie bemerkenswert ehrlich aus. Den 29. Januar, also den Tag vor dem Crash, bezeichnet er als einen der Börsentage, die er „überhaupt nicht verstehe“. Zur US-Markteröffnung fielen Gold, Silber, Platin, Palladium und Kupfer gleichzeitig. Kupfer stand da gerade vor dem Ausbruch. Das allein hätte in sein bekanntes Muster gepasst: Ein steigender Rohstoffkomplex wird gebremst, damit die Inflationserwartungen nicht kippen.

Nach Specks Beobachtung fielen aber praktisch in derselben Minute auch der US-Aktienmarkt und Bitcoin. Für ihn ist das untypisch. Wer Inflationserwartungen drücken will, hat kein Interesse daran, gleichzeitig die Aktienkurse fallen zu lassen.

Was für eine gezielte Drückung spricht und was dagegen

  • Dafür: Ein explosiver Silberanstieg auf über 120 Dollar, ein Kupferausbruch und ein Gold-Rekord. Speck sagt, das „rieche natürlich nach Drückung“.
  • Dafür: Laut Reuters erhöhte die US-Terminbörse CME mitten im Absturz am 30. Januar die Einschusspflichten. Offiziell hieß es, das diene dem Risikomanagement. Speck erinnert daran, dass solche Maßnahmen in der Vergangenheit auch gezielt gegen Edelmetallpreise eingesetzt worden seien.
  • Dagegen: Der gleichzeitige Fall von Aktien und Bitcoin passt nicht ins klassische Motiv.
  • Dagegen: Höhere Sicherheitsleistungen treffen bei hoher Volatilität auch Leerverkäufer. Ein „sicherer Beleg“ seien sie deshalb nicht.

Speck fasst seine Sicht zusammen: Für ihn „riecht es ein bisschen nach Manipulation“, er sehe aber „keinen vollen Beleg“. Diese Zurückhaltung macht ihn glaubwürdig. Sie ändert nichts daran, dass solche Schockmomente historisch immer dieselbe Wirkung hatten: Privatanleger ziehen sich zurück, und die Preise treten danach oft monatelang auf der Stelle. Genau so kam es auch 2026. Laut World Gold Council lag das Tief am 24. Juni bei rund 3.959 Dollar. Aktuell notiert Gold bei rund 4.200 Dollar, das sind etwa 3.740 Euro je Unze.

Die Lehre aus Zypern

Als Lehrbeispiel nennt Speck die Zypernkrise 2013. Damals wurden Bankkunden über eine Zwangsabgabe zur Kasse gebeten, und Sparer fragten sich, ob sie ihr Geld abheben sollten. Genau in diesem Moment fiel der Goldpreis. Speck wertet das als eindeutige Manipulation mit klarer Botschaft: Gold ist auch nicht sicher, lass dein Geld lieber auf der Bank. Den Beginn der systematischen Goldpreisdrückung datiert er auf August 1993. Im Vorfeld habe Alan Greenspan sinngemäß gewarnt, ein Ausbruch des Goldpreises würde die Psychologie der Anleger verändern.

Unsere Einschätzung: Wer den Goldpreis als Fieberthermometer des Geldsystems fürchtet, hat ein Motiv, das Thermometer zu kühlen. Am Fieber selbst ändert das nichts.

Das Ende des Dollarstandards: Ein Schema löst sich auf

Im Kern geht es für Speck nicht um einzelne Handelstage, sondern um einen Epochenbruch. Um ihn zu verstehen, muss man zurück in die 1960er Jahre. Damals erklärten sich die Zentralbanken des Westens, darunter die Bundesbank, bereit, das amerikanische Defizit zu finanzieren. Sie kauften US-Schulden und bezahlten damit faktisch den Importüberschuss der Vereinigten Staaten. Laut Speck war das kein Geheimnis: Der amerikanische Ökonom und Regierungsberater Francis Bator habe schon 1967 offen von einem Dollarstandard gesprochen, der den USA dauerhaft moderate Defizite erlaube. 1971 kappte Richard Nixon die Goldbindung des Dollars endgültig.

Die Dimension wird erst bei genauerem Hinsehen deutlich:

  • Die USA weisen seit Jahrzehnten ein Leistungsbilanzdefizit von rund 3 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.
  • Bezogen auf die Warenmenge, ohne Dienstleistungen, sind das nach Specks Rechnung 15 bis 20 Prozent.
  • Bildlich gesprochen wird damit jedes fünfte oder sechste Handy, jede fünfte oder sechste Schraube in der US-Industrie vom Ausland finanziert.
  • Ein dauerhaft ins Unendliche aufgetürmtes Defizit hat es laut Speck in der Menschheitsgeschichte noch nie gegeben, und es könne nicht funktionieren.

Dieses Schema, später durch den Petrodollar ausgebaut, kommt jetzt an sein Ende. Zentralbanken wie die in China, Polen und Kasachstan kaufen seit Jahren systematisch Gold. Im Gespräch wird darauf verwiesen, dass Gold in den Reserven der Notenbanken die US-Staatsanleihen inzwischen überholt habe. Wer Gold kauft statt Dollar-Anleihen, steigt aus der Finanzierung des amerikanischen Defizits aus. Wer sich vertiefen will, wie Washington auf diesen Wandel reagieren könnte, findet in unserem Beitrag über goldgedeckte US-Anleihen und eine mögliche Rückkehr zum Goldstandard eine spannende Ergänzung.

Kein Crash über Nacht, sondern ein langer Abschied

Speck warnt aber vor Ungeduld. Der Wechsel vom britischen Pfund zum Dollar dauerte Jahrzehnte. Noch in den 1950er Jahren war das Pfund stark in den Notenbankreserven vertreten, obwohl die USA längst die stärkere Volkswirtschaft waren. Zudem fehle bei den kreditbasierten Währungen eine echte Alternative. Euro, Yuan oder Yen kommen dafür nach seiner Analyse nicht infrage.

Was stattdessen geschieht: Gold gewinnt als internationales Geld an Bedeutung, vorerst bei den Zentralbanken und als Wertaufbewahrungsmittel. Von einem neuen Goldstandard sei man „noch lange“ entfernt, falls es überhaupt dazu komme. Die Richtung ist für ihn aber klar.

Die verkehrte Welt: Notenbanken vorn, Sparer hinten

An dieser Stelle wird das Gespräch besonders aufschlussreich. Normalerweise sind die Privatanleger die Ersten, die misstrauisch werden und in Gold gehen. Institutionelle Investoren folgen vorsichtig, und die konservativen Notenbanken kommen zuletzt. Heute ist es umgekehrt.

  1. Zentralbanken kaufen seit Jahren in großem Stil, und Umfragen deuten laut Speck auf anhaltende Kaufbereitschaft hin.
  2. Institutionelle Anleger wie Versicherungen denken nach Jahren schmerzhafter Anleiheverluste um, sofern sie Gold überhaupt halten dürfen.
  3. Privatanleger sind laut Speck noch kaum dabei. Die Bestände in börsengehandelten Goldprodukten lägen kaum über dem Niveau von 2020, obwohl sich der Goldpreis seitdem etwa verdoppelt hat.

Ein Grund dafür könnte in der Finanzkrise von 2008 liegen. Viele Sparer erwarteten damals den baldigen Zusammenbruch. Als er ausblieb, legten sie das Thema Gold beiseite. Gelöst wurde damals allerdings nichts. Die Schuldenberge sind seither weiter gewachsen, Frankreich und die USA sind nur zwei Beispiele. Gleichzeitig konzentriert sich enormes Anlagekapital auf wenige US-Technologiewerte. Speck verweist auf Bewertungskennzahlen wie das Shiller-KGV und die Marktkapitalisierung im Verhältnis zum BIP, die im jahrzehntelangen Vergleich über dem Niveau von 2000 liegen. Wie fragil solche Euphorie sein kann, zeigt auch unser Artikel „KI-Betongold mit Rissen“ über den Ansturm auf Rechenzentren.

Dominik Kettner beschreibt es aus der Praxis: Seit September spüre Kettner Edelmetalle wieder eine deutlich stärkere Nachfrage im Endkundensegment. Die Angst, etwas zu verpassen, wie sie im Herbst 2025 herrschte, fehlt aber noch, obwohl die Lage heute weitaus angespannter ist.

Inflation als Ausweg: Die stille Enteignung hat einen Fahrplan

Der vielleicht wichtigste Teil des Gesprächs dreht sich um die Frage, wie die westlichen Staaten ihre Schulden loswerden wollen. Die US-Staatsverschuldung liegt inzwischen bei rund 40 Billionen Dollar. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg von 0,5 Prozent im Tief 2020 auf zuletzt rund 5,2 Prozent. Mit dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh preist der Markt laut Gesprächsangaben eine Wahrscheinlichkeit von rund 88 Prozent für eine weitere Zinserhöhung im Dezember ein.

Speck hat darauf eine unbequeme Antwort. Er verweist sinngemäß auf eine Äußerung von US-Präsident Donald Trump, wonach Inflation das Schuldenproblem adressiere. Speck betont selbst, dass er die Aussage nur frei wiedergeben kann. Den Kern hält er dennoch für zutreffend. Als historischen Präzedenzfall nennt er die USA nach 1945: Mehrere Inflationswellen mit Spitzen von bis zu 20 Prozent drückten die damals ähnlich hohe Schuldenquote deutlich. Und auch nach 2020 sank die globale Verschuldungsquote durch die Inflationswelle um etwa 8 Prozentpunkte. Die Anleger wurden dabei nach Specks Rechnung um rund ein Sechstel enteignet.

„Wir werden durch Inflation den Schuldenstand relativ zur Wirtschaftskraft reduzieren. Das wird in Wellen geschehen, die werden höher sein als 20 Prozent damals 1945.“ – Dimitri Speck

Warum höher? Weil der Schuldenstand heute höher ist und weil diesmal keine Umstellung von Kriegs- auf Friedenswirtschaft für Wachstumsschub sorgt. Hinzu kommt die Energiefront. Im Gespräch werden Angriffe auf Förderanlagen, Pipelines und Raffinerien im Nahen Osten und in Russland geschildert, außerdem der Druck auf die Meerengen von Hormus und Bab al-Mandab. Laut Dominik Kettner hat selbst EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einem Interview vor hoher Inflation gewarnt.

„Wie wollen wir bitte die Inflation in Griff kriegen, wenn sogar der Ölpreis absehbar weiter steigt? Es ist noch nicht eingepreist.“ – Dimitri Speck

Unsere Einschätzung: Hier liegt der Kern des Problems. Die Politik hat einen eingebauten Anreiz, ihre Schulden über die Geldentwertung zu entsorgen, und zahlen müssen dafür die Sparer. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Wirtschaftsgeschichte.

Hohe Realzinsen und trotzdem Rekorde: Das Rätsel der Lehrbuchökonomen

Nach klassischer Lehre leidet Gold, wenn die Realzinsen hoch sind, also die Zinsen nach Abzug der Inflation. Laut Ole Hansen von der Saxo Bank erreichte die Realrendite zehnjähriger US-Anleihen im September 2,63 Prozent, den höchsten Stand seit über 20 Jahren. Trotzdem kaufen Anleger wieder Gold.

Specks Auflösung: Die aktuellen Realzinsen seien nicht von Dauer. Eine überschuldete Volkswirtschaft könne hohe Realzinsen auf Dauer nicht stemmen. Steigen die Zinsen weiter in Richtung 6 oder 7 Prozent, gerät der ohnehin hoch bewertete Aktienmarkt unter Druck, so wie beim Crash 1987. Dann würden die Notenbanken die Zinsen wieder senken, um das System zu stützen. Sein Hauptszenario für die kommenden Jahre lautet: negative Realzinsen, damit die Schuldenquoten sinken können. Für Sparer ist das eine Enteignung auf Raten.

Washington in der Klemme

Den Mann mit dem größten Problem sieht Dominik Kettner im US-Finanzministerium. Scott Bessent ist eingeklemmt zwischen hohen Zinskosten, gewaltigem Refinanzierungsbedarf und einem Ausland, das sich aus US-Anleihen zurückzieht. Laut Kitco hat das Finanzministerium die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen verdoppelt und Ende Juli am Devisenmarkt beim Yen eingegriffen. Charlie Morris von ByteTree kommentierte das mit einem Satz: „That sounds like QE to me.“ Das heißt: Gelddrucken durch die Hintertür.

Kettner bringt es mit einem Bild auf den Punkt: Das sei so, als würde man eine Hypothek nicht mehr bedienen können und sie deshalb mit der Kreditkarte abbezahlen. Speck findet zu Bessent noch deutlichere Worte. Für ihn agiere dieser eher als „Wirtschaftskriegsminister“ denn als Finanzminister. Wie sehr Gold im Zentrum der amerikanischen Finanzpolitik angekommen ist, zeigt auch unser Bericht über die Gold-Strategin im US-Finanzministerium und eine mögliche Gold-Anleihe.

Neubewertung der Goldreserven: Ein Trick mit Sprengkraft

Immer wieder wird darüber spekuliert, ob die USA ihre Goldreserven neu bewerten könnten. Die rund 261 Millionen Unzen stehen zum gesetzlichen Preis von 42,22 Dollar in den Büchern, das sind rund 11 Milliarden Dollar. Zum Marktpreis ist der Bestand über eine Billion Dollar wert. Bessent selbst sagte im Juli bei Fox News, die USA hielten Gold im Wert von über einer Billion Dollar.

Speck erklärt, warum eine Neubewertung für sich genommen irrelevant sei und die Ausschüttung der Differenz gefährlich:

  • Schüttet die Notenbank die Bewertungsdifferenz an den Staatshaushalt aus, liegt das Gold weiterhin im Tresor.
  • Verkauft der Staat es später, nimmt er den Wert ein zweites Mal ein: einmal durch die Hochbuchung, einmal durch den Verkauf.
  • Aus einer Billion würden so zwei Billionen. Für Speck ist das „nacktes Gelddrucken“.
  • Ende der 1990er Jahre versuchte Finanzminister Theo Waigel Ähnliches mit den Bundesbank-Reserven. Die Bundesbank spielte nicht mit.

Auch die Debatte um die Billionen-Platinmünze, die Nobelpreisträger Paul Krugman vor gut zehn Jahren ins Spiel brachte, ordnet Speck genauso ein: als verkleidetes Gelddrucken. Für Goldbesitzer bedeutet das: Je kreativer die Buchhaltungstricks der Staaten werden, desto wertvoller wird ein Vermögenswert, den keine Notenbank vermehren kann.

Vertrauensbruch: Warum Notenbanken ihr Gold heimholen

Zwischen März und August 2026 geschah laut Mining.com etwas Bemerkenswertes. Die niederländische Notenbank verlagerte rund 86 Tonnen Gold aus Nordamerika. Davon verkaufte sie 59 Tonnen in New York und kaufte sie in London neu. Zuvor hatte die Banque de France rund 129 Tonnen aus der New Yorker Fed abgezogen. Zusammen sind das mehr als 200 Tonnen.

Speck nennt das schlicht „etwas Vernünftiges“. Den Wendepunkt sieht er im Jahr 2022, als die Reserven der russischen Zentralbank sanktioniert wurden. Damals sei die wichtigste Eigenschaft kreditbasierten Geldes gebrochen worden: dass es neutral ist, überall gilt und es egal ist, wer es hält. Allen Zentralbanken, aber auch privaten Anlegern sei damit klar geworden, dass Vermögen im Ausland jederzeit politischem Zugriff ausgesetzt sein kann. Trumps offene Ansprüche auf Grönland tun nach Specks Einschätzung ihr Übriges.

Gold, das nicht zu Hause lagert, ist im Ernstfall nur so sicher wie das Wohlwollen des Landes, in dem es liegt.

Und Deutschland? Die Bundesbank lagert nach eigenen Angaben weiterhin mehr als ein Drittel ihrer Goldreserven in New York. Speck, der einst die Initiative „Holt unser Gold heim“ unterstützte, und Dominik Kettner stellen die naheliegende Frage: Wenn Paris und Amsterdam handeln, warum hält Bundesbank-Präsident Joachim Nagel am Status quo fest? Die Frage muss erlaubt sein, wessen Interessen hier eigentlich Vorrang haben. Dass Gold längst ein politisches Symbol ist, zeigte zuletzt sogar die Satire-Aktion um den nackten Gold-Trump in Straßburg.

London und Shanghai: Wo echtes Metall den Preis macht

Auch im Silbermarkt zeigen sich Risse. Laut Reuters waren in den Londoner Tresoren zeitweise nur 28 Prozent der rund 884 Millionen Unzen Silber frei verfügbar. Im September 2025 waren es sogar nur 17 Prozent, im Oktober 2025 kam es zum Engpass. Seit 2021 sind weltweit 762 Millionen Unzen aus den Beständen abgeflossen.

Speck mahnt allerdings zur Nüchternheit. Empirisch habe er keinen verlässlichen Zusammenhang zwischen Lagerbeständen und späteren Preisbewegungen gefunden. Als Prognoseinstrument tauge die Kennzahl nicht. Dominik Kettner hält dagegen, dass die Aussagekraft eines Papiermarktes schwinde, je weniger echtes Metall dahinter liege.

Gleichzeitig baut China mit der Shanghai Gold Exchange und zertifizierten Tresoren in Hongkong Schritt für Schritt einen Handelsplatz auf, an dem physisches Metall den Preis macht. Peking spielt dabei eine doppelte Rolle. Laut Kitco verschärfte die Shanghai Futures Exchange binnen einer Woche zweimal ihre Regeln:

  • höhere Sicherheitsleistungen
  • Positionslimits für Silber
  • die Sperrung von 16 Kunden für einen Monat

Speck räumt offen ein, selbst Silber-Fan zu sein, warnt aber vor Illusionen. Weil Silber auch ein Industriemetall ist, hätten Staaten, China eingeschlossen, ein politisches Interesse daran, einen zu starken Preisanstieg zu verhindern. Bei Gold sei das anders. Die Zentralbanken stehen heute auf der Käuferseite. Kurzfristige Drückungen seien möglich, eine 20-jährige Unterdrückung wie ab 1993 erwartet Speck nicht mehr.

Saisonalität: Was die Statistik für die kommenden Wochen sagt

Als Gründer von Seasonax ist die Saisonalität Specks Spezialgebiet: jahreszeitlich wiederkehrende Muster an den Märkten. Für Edelmetalle beginnt die stärkste Phase nach seiner Analyse Mitte Dezember und reicht bis in die zweite Februarhälfte. Das gilt besonders für Silber, Platin und Palladium, aber auch für Gold, dessen saisonaler Verlauf insgesamt stetiger ist.

Dazu kommt die Positionierung am Terminmarkt. Laut einer Grafik von Goldman Sachs, auf die Speck verweist, sind die CTAs, also systematisch handelnde Vermögensverwalter, so negativ auf Gold eingestellt wie seit Jahren nicht mehr. Im Sinne der Stimmungsanalyse sei das ein konträres Signal. Speck sieht deshalb die nächsten rund sechs Wochen aus technischer Sicht als interessantes Kaufzeitfenster. Die Marke von 4.000 Dollar hält er für einen relativ stabilen Boden. Das ist seine Einschätzung und ausdrücklich keine Garantie. Konkrete Kursziele für die nächsten 12 bis 24 Monate nennt er bewusst nicht, dafür seien zu viele Faktoren miteinander vernetzt.

„Gold und auch Silber sollten einfach eine langfristige Anlage sein. Die Perspektive auf 10, 15, vielleicht sogar 20 Jahre ist aufgrund der Verhältnisse im Finanzsystem in meinen Augen exzellent.“ – Dimitri Speck

Kettner-Einordnung: Keine Panik, aber Vorsicht

Fasst man das Gespräch zusammen, entsteht ein klares Bild. Notenbanken ziehen ihr Gold aus New York ab. Washington kauft seine eigenen Schulden mit neuen Schulden zurück. China baut einen Gegenpol zu den westlichen Papiermärkten auf. Und die Politik hat einen eingebauten Anreiz, die Schuldenlast über Inflation auf die Sparer abzuwälzen. Wir halten das für die prägende Entwicklung der kommenden Jahre. Der Januar-Crash ändert daran nichts. Er hat viele Anleger verunsichert, die nun am Rand stehen, während die Notenbanken weiter kaufen.

Was Sie als Privatanleger jetzt beachten sollten

  1. Denken Sie in Jahrzehnten, nicht in Tagen. Schockartige Rückschläge wie am 30. Januar gehören zum Goldmarkt. Wer langfristig denkt, lässt sich davon nicht aus dem Markt treiben.
  2. Setzen Sie auf physisches Metall. Die Lektion der Notenbanken lautet: Eigentum, das man nicht in der Hand hat, ist Vertrauenssache. Klassiker wie der 1 Unze Gold Krügerrand 2026, der Maple Leaf oder der Wiener Philharmoniker sind weltweit bekannt und leicht handelbar.
  3. Stückeln Sie Ihren Bestand. Kleine Einheiten bieten Flexibilität. Der 1g Gold Maple Leaf oder der 0,1g Goldbarren von Heimerle und Meule ermöglichen den Einstieg schon mit kleinen Beträgen.
  4. Nutzen Sie historisches Gold. Die Schweizer Vreneli 10 Franken und Vreneli 20 Franken stammen aus der Zeit, als Gold noch Geld war. Das ist ein stiller Kommentar zur heutigen Geldpolitik.
  5. Streuen Sie über Prägestätten. Neben den Klassikern bieten Känguru, Britannia, American Eagle, China Panda oder die Motivserie Lunar Vielfalt für jeden Geschmack.

Ob Sie lieber zu Goldmünzen oder zu Goldbarren greifen, ist eine Frage von Budget, Stückelung und persönlicher Vorliebe. Entscheidend ist, dass Sie überhaupt einen Teil Ihres Vermögens in physisches Gold umschichten, bevor es die breite Masse tut. Die Zentralbanken haben den ersten Schritt längst gemacht. Specks Schlusswort trifft die Lage genau: „Keine Panik, aber Vorsicht.“

Das vollständige Gespräch zwischen Dominik Kettner und Dimitri Speck mit allen Details zum Januar-Crash, zum Ende des Dollarstandards und zur Saisonalität der Edelmetalle finden Sie im eingebetteten Video. Wer verstehen will, warum das Geldsystem gerade umgebaut wird, sollte es sich ansehen.

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