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Kettner Bullion

Stromkrise gefährdet deutsche Industrie – Vahrenholt warnt vor Blackout

20.09.2026PodcastKettner BullionCompanion text AI-generated

„Dann müssen wir die Industrie abstellen." Dieser eine Satz, ausgesprochen vom Präsidenten der Bundesnetzagentur, ist womöglich das ehrlichste energiepolitische Eingeständnis, das dieses Land seit Jahren gehört hat. Und es ist zugleich eine Bankrotterklärung. Denn wer öffentlich erklärt, dass im November – wenn Sonne und Wind gleichzeitig streiken – ganze Industriebetriebe vom Netz genommen werden müssen, der sendet ein Signal an jeden Investor dieser Welt: Baut eure Fabriken woanders.

Professor Dr. Fritz Vahrenholt, promovierter Chemiker, ehemaliger Hamburger Umweltsenator, früherer Vorstandschef eines der größten Windkraftunternehmen Europas und heute einer der schärfsten Analytiker der deutschen Energiepolitik, bringt es im Gespräch mit Dominik Kettner auf einen brutalen Nenner: Deutschland ist dabei, seine industrielle Substanz zu verbrennen – und niemand in Berlin scheint bereit, den Kurs zu korrigieren.

Der teuerste Strom aller Industriestaaten – und niemand ruft „Stopp"

Die Zahlen sind unerbittlich. Deutschland hat aktuell den höchsten Strompreis aller Industriestaaten. China produziert für rund ein Drittel unserer Kosten. Die USA ebenfalls. Frankreich liegt deutlich darunter. Was folgt daraus? Genau das, was seit Jahren passiert: Die energieintensive Industrie wandert ab. Nicht in einem dramatischen Knall, sondern schleichend, Betrieb für Betrieb, Standortentscheidung für Standortentscheidung.

Vahrenholt erinnert an das, was Deutschland einmal hatte: 17 Kernkraftwerke, die Strom zu rund 2,5 Cent pro Kilowattstunde produzierten. CO₂-frei, grundlastfähig, verlässlich. Diese Anlagen wurden nicht etwa altersbedingt stillgelegt – sie wurden gesprengt. Kühltürme fielen, politische Karrieren blühten.

„Wir hatten 17 Kernkraftwerke, die einen sehr günstigen Strompreis produzierten, CO₂-frei selbstverständlich – und die hat die deutsche Politik gesprengt, abgestellt."

In seinem neuen Buch „Zeit für Kernkraft – Schlüssel zum Wohlstand" rechnet Vahrenholt vor, was eine Reaktivierung bedeuten würde: Der Strompreis könnte um rund ein Drittel sinken. Von heute durchschnittlich acht bis zehn Cent zurück auf fünf bis sechs Cent. Genau jener Wert übrigens, den ein früherer Bundeskanzler einmal öffentlich versprochen – und natürlich nie geliefert – hat.

25 Milliarden einmalig gegen 18 Milliarden jährlich

Der Einwand kommt reflexhaft: Viel zu teuer! Doch schauen wir uns die Rechnung genauer an, denn hier wird es interessant.

  • Die letzten fünf Kernkraftwerke könnten laut einer von Vahrenholt zitierten Studie für rund 8,5 Milliarden Euro in etwa vier Jahren reaktiviert werden.
  • Insgesamt wären rund 13 Anlagen reaktivierbar – Gesamtkosten: etwa 25 Milliarden Euro, einmalig.
  • Dem gegenüber stehen 18 Milliarden Euro Subventionen – Jahr für Jahr – für Wind und Sonne.
  • Der gesamte eingeschlagene „Transformationspfad" wird nach Vahrenholts Berechnung am Ende 4.800 bis 5.400 Milliarden Euro kosten.

Lesen Sie die letzte Zahl noch einmal. Fünftausendvierhundert Milliarden Euro. Und das Ergebnis? Ein Stromsystem, das genauso verlässlich ist wie das, welches wir vorher schon hatten. Nur ist das Volk dann um ebendiese Summe ärmer.

„Du hast am Ende ein verlässliches Stromsystem – aber das Volk ist um 5.400 Milliarden ärmer. Das kann es ja nicht gewesen sein."

Wer verstehen will, warum physisches Gold in solchen Zeiten für so viele Menschen zur letzten Vertrauensinstanz wird, findet hier die Antwort. Denn diese Billionen entstehen nicht aus dem Nichts. Sie werden über Schulden, über Abgaben, über Steuern und – am Ende – über die Notenpresse finanziert. Die Rechnung zahlt immer derselbe: der Bürger.

Das Märchen von der „zu teuren" Kernkraft

Im Netz kursiert ein Argument so beharrlich, dass es kaum noch hinterfragt wird: Kernkraft sei unbezahlbar. Als Beweis dienen drei Projekte – Hinkley Point in England, Olkiluoto in Finnland, Flamanville in Frankreich. Alle massiv über Budget, alle massiv über Zeitplan.

Doch Vahrenholt zerlegt dieses Argument mit der Präzision des Naturwissenschaftlers: Diese Projekte wurden nicht teuer, weil es Kernkraftwerke sind. Sie wurden teuer, weil sie durch Einsprüche, Nachrüstungsauflagen und behördliche Endlosschleifen auf 15 Jahre Bauzeit gestreckt wurden. Bei einer derart kapitalintensiven Investition explodieren dann zwangsläufig die Finanzierungskosten.

Das Gegenbeispiel, das niemand erwähnt

In den Vereinigten Arabischen Emiraten errichteten koreanische Ingenieure ein modernes Kernkraftwerk:

  1. Kosten: rund 6 Milliarden Euro
  2. Bauzeit: 5 Jahre
  3. Resultierender Strompreis: rund 5 Cent pro Kilowattstunde

Fünf Cent. Zum Vergleich: In Deutschland diskutieren wir über Industriestrompreis-Subventionen, während andere Länder schlicht billigen Strom produzieren. Vahrenholt ist überzeugt: Bei fünf Cent käme eine Reindustrialisierung Deutschlands in Gang, „die sich wirklich gewaschen hat". Chemie, Glas, Papier, Metall – alles könnte zurückkehren.

Die Gasfalle: 56 Prozent gefüllt, Heizsaison beginnt

Die Bundesregierung setzt statt auf Kernkraft auf Gaskraftwerke. Nur: Wenn Deutschland aktuell irgendwo ein akutes Energieproblem hat, dann beim Gas. Der Preis hat sich verdoppelt. Die Speicher sind laut Vahrenholt nur zu etwa 56 Prozent gefüllt – bei einem Normalwert von 80 bis 90 Prozent zu Beginn der Heizsaison.

Die Einkäufer hatten gepokert, auf sinkende Preise spekuliert und die Lage an der Straße von Hormus für ein vorübergehendes Phänomen gehalten. Ein teurer Irrtum. Und amerikanisches LNG ist keine Rettung:

  • Verflüssigung kostet Energie
  • Transport kostet Energie
  • Regasifizierung kostet Energie
  • Obendrauf kommen CO₂-Preis und deutsche Abgabenlast

Ergebnis: Wir zahlen etwa das Achtfache dessen, was die Amerikaner für ihr eigenes Gas bezahlen. Und im Ernstfall gilt ohnehin die simple Regel, die Vahrenholt nüchtern ausspricht: Bei Knappheit versorgen die Amerikaner zuerst sich selbst. Was übrig bleibt, geht nach Europa.

„Es ist eine sehr riskante Reise der nächsten fünf Jahre."

Energiearmut ist kein Betriebsunfall – sie ist ein System

Der vielleicht wichtigste Gedanke des gesamten Gesprächs betrifft nicht die Technik, sondern die Gesellschaft. Energiearmut, sagt Vahrenholt, bedeutet am Ende nichts anderes als Verwaltung des Mangels. Und Mangelverwaltung funktioniert nur mit Zuteilung, Zwang und Staatseingriffen.

Stellen Sie sich das konkret vor: Energie auf Bezugsschein. Zehn Kilowattstunden für Ihr Elektroauto – mehr gibt es heute nicht. Komm damit klar. Was klingt wie eine Dystopie, ist in anderen Teilen der Welt gelebte Realität. Und es trifft immer dieselben zuerst: die Mittelschicht und die Rentner. Wer vermögend ist, weicht aus. Wer es nicht ist, friert.

Genau deshalb beschäftigen sich immer mehr Menschen mit der Frage, wie man Kaufkraft überhaupt noch über solche Verwerfungen hinwegretten kann. Die Antwort der Geschichte ist seit Jahrtausenden dieselbe: mit Sachwerten, die niemand per Dekret vermehren kann. Goldbarren und Goldmünzen sind keine Renditeversprechen – sie sind Versicherungen gegen genau jene politische Willkür, die uns dieses Energiedesaster eingebrockt hat.

Der Staat als heimlicher Profiteur der Krise

Besonders bitter wird es beim Blick auf die Abgabenlast. Vahrenholt rechnet vor: Ohne CO₂-Abgabe, Energiesteuer, Bio-Abgabe und Mehrwertsteuer hätte Deutschland mit rund 95 Cent die günstigsten Benzin- und Dieselpreise Europas. Stattdessen haben wir mit die teuersten.

Und weil die Mehrwertsteuer prozentual auf den ohnehin gestiegenen Rohölpreis aufsetzt, kassiert der Fiskus in der Krise rund fünf Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Allein aus der CO₂-Abgabe für LKWs fließen sieben Milliarden.

Wer zahlt am Ende?

Das Transportgewerbe geht in die Knie. Es kann zu diesen Preisen schlicht nicht mehr wirtschaften. Also steigen die Frachtpreise. Also steigen die Lebensmittelpreise. Also zahlt – der Verbraucher. Immer. Die viel diskutierte Mehrwertsteuersenkung? Für Handwerk und Spedition praktisch wirkungslos, weil diese die Vorsteuer ohnehin abziehen.

„Das ist von hinten und vorne eine bürgerfeindliche und gewerbefeindliche Politik. Und dann sagen sie: Wir müssen das den Menschen besser erklären. Herr Kettner, das kann niemand mehr erklären."

Diese schleichende Entwertung von Arbeitseinkommen ist der eigentliche Skandal. Wer heute Monat für Monat feststellt, dass vom Netto real weniger übrig bleibt, sucht nach Alternativen zum reinen Geldsparen. Schon kleine Einstiegsgrößen wie ein 1 Gramm Gold Maple Leaf oder eine 0,5g Gold Deutscher Adler ermöglichen den Einstieg in echte Sachwerte, ohne gleich ein Vermögen bewegen zu müssen.

Die Welt baut – nur Deutschland bremst

Der deutsche Sonderweg ist tatsächlich ein Alleingang. Schauen wir uns an, was der Rest der Welt macht:

  • USA: Ausbau von rund 100 auf angepeilte 400 Kernkraftwerke. Und: Dauert ein Genehmigungsverfahren länger als 18 Monate, gilt der Antrag automatisch als genehmigt.
  • China: Massiver Ausbau, technologisch inzwischen auf Augenhöhe mit den USA.
  • Japan: Trotz Fukushima längst zurückgekehrt, baut neue Reaktoren.
  • Schweden: Ausstieg vom Ausstieg.
  • Frankreich, England, Niederlande, Polen: Neubauprogramme.
  • Schweiz: Volksentscheid über Neubauten steht an – laut Vahrenholt mit klarer Mehrheit absehbar.

Der amerikanische Energieminister hat den Zusammenhang auf den Punkt gebracht: Wer den Wettlauf um die Künstliche Intelligenz gewinnen will, muss den Wettlauf um die Energieressourcen gewinnen. Und zwar nicht in zwanzig Jahren, sondern in fünf.

Der fatale Denkfehler: „Wir brauchen weniger Energie"

Das deutsche Energieeffizienzgesetz sieht vor, bis 2040 rund 45 Prozent weniger Energie zu verbrauchen. Vahrenholt hält dagegen mit einem Gesetz, das sich nicht durch Bundestagsbeschluss aufheben lässt:

„Wohlstand geht parallel zum Energieverbrauch."

Robotik, Rechenzentren, KI – all das frisst Strom in gigantischen Mengen. Weltweit rechnet Vahrenholt mit 50 bis 100 Prozent zusätzlichem Energiebedarf, weil auch Inder, Chinesen und Brasilianer an dieser Entwicklung teilhaben wollen. Wer in dieser Situation Energieverzicht predigt, verordnet sich selbst den Abstieg.

Die neue Generation: Reaktoren, die nicht durchbrennen können

Die deutsche Debatte hängt technologisch Jahrzehnte hinterher. Dabei waren wir einmal führend. 1985 war Deutschland mit dem Schnellen Brüter in Kalkar in der Lage, den Uran-Kreislauf zu schließen. Heute steht dort ein Vergnügungspark. Die Blaupausen aus Jülich? Die haben sich die Chinesen besorgt – und dreißig Jahre später der Welt vorgeführt, was für eine großartige Idee das war.

Die vierte Generation bringt laut Vahrenholt drei fundamentale Verbesserungen:

  1. Inhärente Sicherheit: Der Reaktor fällt bei Kühlungsausfall automatisch in die sichere Seite. Ein Durchbrennen ist physikalisch ausgeschlossen.
  2. Abfallverwertung: Die abgebrannten Brennelemente der alten Generation – die heute an 17 Standorten in Deutschland lagern – können als Brennstoff genutzt werden.
  3. Kurze Abklingzeiten: Statt einer Million Jahre reduziert sich der Zeitraum auf rund 300 Jahre, weil langlebige Isotope gar nicht erst als Abfall anfallen.

Und die SMRs?

Bei den viel gehypten Small Modular Reactors gießt Vahrenholt bewusst etwas Wasser in den Wein. Ein 100- bis 300-Megawatt-Reaktor braucht denselben Sicherheitsaufwand wie ein 1.400-Megawatt-Kraftwerk – dieselbe Betonhülle, denselben Schutz gegen Flugzeugabsturz. Pro Kilowattstunde sind die Kleinen deshalb zunächst teurer, der Prototyp sogar bei fast doppeltem Strompreis.

Aber: Bei Serienfertigung von 20, 50 oder 100 Stück greifen Skaleneffekte so stark, dass sie unter die Kosten konventioneller Anlagen fallen können. Vahrenholt erwartet die ersten SMRs sowie die vierte Generation Anfang der 2030er Jahre.

Der wichtigste Rat: Haltet die Standorte!

Die zentrale Botschaft an die Politik ist ebenso simpel wie dringlich: Die Kernkraft-Standorte dürfen nicht aufgegeben werden. Sie sind rechtlich ausgewiesene, geschützte Räume – mit Leitungsanbindung, Kühlwasserversorgung, Infrastruktur. Allein der Zaun ist ein Vermögen wert.

Denn jeder weiß, was passiert, wenn in Deutschland ein neuer Standort auf der grünen Wiese gesucht wird. Vahrenholt formuliert es drastisch: Das wäre „ein Truppenübungsplatz für die Antifa". Fünf Jahre Verzögerung mindestens – und jedes Jahr Verzögerung kostet Geld.

Warum diese Debatte auch eine Vermögensfrage ist

Man kann dieses Gespräch als reine Energiedebatte lesen. Man kann es aber auch als das lesen, was es in Wahrheit ist: eine Bestandsaufnahme über den Zustand eines Landes, das seine eigenen Grundlagen demontiert.

Wenn die Industrie abwandert, sinkt das Steueraufkommen. Wenn das Steueraufkommen sinkt, steigen die Schulden. Wenn die Schulden steigen, wächst der Druck auf die Zentralbank. Und wenn der Druck auf die Zentralbank wächst, verliert das Geld an Wert. Diese Kette ist keine Verschwörungstheorie – sie ist ökonomische Mechanik.

Genau deshalb beobachten wir international eine bemerkenswerte Entwicklung: Zentralbanken kaufen Gold in Rekordmengen, private Anleger ebenfalls. Wer die aktuelle Marktlage einordnen will, findet in unserer Analyse „Gold zittert um die 4.000er-Marke – doch die Bodenbildung hält stand" eine nüchterne Einschätzung. Auch die Rückkehr des Papiergolds wirft Fragen auf, die wir in diesem Beitrag kritisch beleuchten – denn ein Zertifikat ist eben kein Metall im Tresor.

Besonders spannend ist der Blick über den Atlantik: Die Debatte um goldgedeckte US-Anleihen zeigt, dass selbst im Zentrum des Fiatgeld-Systems über eine Rückbindung an reale Werte nachgedacht wird.

Klassiker für den physischen Bestand

Wer Sachwerte aufbauen will, sollte auf weltweit anerkannte Anlagemünzen setzen. Zu den meistgehandelten zählen:

Für Sammler mit einem Faible für limitierte Ausgaben lohnt zudem ein Blick auf die 0,5g Gold Deutsche Mark 2026 in Reverse Proof mit einer Auflage von lediglich 1.000 Stück. Dass Gold immer wieder Ziel medialer Verunglimpfung wird, zeigt übrigens eindrucksvoll der Fall eines Influencers, der sich mit haltlosen Vorwürfen gegen die Schweiz blamierte.

Fazit: Die Energiefrage ist die Überlebensfrage

Vahrenholts Bilanz ist unbequem, aber schlüssig. Die Mehrheit der Deutschen – inzwischen deutlich über 50 Prozent – befürwortet laut aktuellen Umfragen die Kernenergie wieder. Im Bundestag haben nur zwei Parteien dieses Thema überhaupt im Programm. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung taucht das Wort Kernenergie nicht ein einziges Mal auf. Nicht einmal.

„Wir haben leider nur Parteien im deutschen Bundestag, die nicht das machen, was die Bürger wollen. Das ist das Problem."

Was bleibt dem Einzelnen? Zweierlei. Erstens: sich informieren, argumentieren, Druck machen – bei Nachbarn, Kreistagsabgeordneten, Bundestagsabgeordneten. Denn was Politiker wirklich verstehen, ist der Satz: Und deswegen kriegen Sie meine Stimme nicht.

Und zweitens: Vorsorge treffen. Denn wer auf eine Politik wartet, die seit anderthalb Jahrzehnten konsequent in die falsche Richtung läuft, wartet möglicherweise sehr lange. Eigenverantwortung beginnt dort, wo man aufhört, auf Berlin zu hoffen – und anfängt, seinen eigenen Vermögensschutz in die Hand zu nehmen.

Gold hat schon ganz andere Währungen, Regierungen und Ideologien überlebt. Es wird auch diese Energiepolitik überleben.

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